Zu den empirischen Befunden über „Perfektionismus“

Obgleich die Nachdenkseiten mit ihren Beschwerden ob des Werdegangs der SPD in den letzten zwei Jahrzehnten etwas weltfremd wirken, anstatt den Laden der Spezialdemokraten zu den liberal-konservativen Kräften zu zählen, lohnt immer mal wieder ein Blick auf ihre Webseite. So gruben sie jüngst einen Artikel aus, der zuerst im Jacobinmag erschien. Er handelt von einer sozialpsychologischen Studie von Thomas Curran und Andrew Hill, die mit einer weiten Definition des Begriffs Perfektionismus statistische Hinweise fanden, dass sich dieser seit der neoliberalen Restauration in den 1970ern ausgebreitet hat. Perfektionismus meint dabei
1. überzogene Erwartungen an sich selbst,
2. überzogene Erwartungen in Bezug auf andere,
3. und die gesellschaftlich vorgegebene Form, die mit der Wahrnehmung verbunden ist, dass alle nur darauf zu warten scheinen, jemanden aufgrund eines Fehlers für immer abzuschreiben, mithin eine Kultur der ständigen Bewertung und Rangfolgen.
„Zu den empirischen Befunden über „Perfektionismus““ weiterlesen

Das Wettbewerbsmantra

Ein Versatzstück der Propaganda von CxU und anderen kapitalistischen Parteien ist, dass Einrichtungen nur dann gut funktionieren, wenn sie zueinander im Wettbewerb stünden. Man muss nur einmal kurz das Radio anschalten und schon sagt irgendein Lokalpolitiker aus Bayern einen solchen neoliberalen Merksatz auf. Unausgesprochen steht dahinter das Modell der vollständigen Konkurrenz auf allen Märkten, das durch die unsichtbare Hand, d.h. durch die Verfolgung des Privatinteresses der vereinzelten Marktindividuen, die ökonomisch optimale Verteilung von Gütern und Dienstleistungen gewährleistet werde. Dieses Modell stößt schon an seine Grenze, wenn mit wachsender Betriebsgröße Kosten gespart werden können. Wenn bspw. mit dem Einsatz eines größeren Kessels Energiekosten in – sagen wir – der Nudelproduktion – gespart werden können, die Konkurrenz unterboten werden kann, dann sind die Grundannahmen des Modells schon verletzt. Mit solchen theoretischen Details muss sich ein gestandener Bierzeltpolititker aus der bayerischen Provinz freilich nicht beschäftigen. Dass Wettbewerb gut ist, steht dank der Erfahrung mit der DDR für einen solchen und seine Klientel sowieso fest. Doch selbst wenn man die Fragwürdigkeit der vollständigen Konkurrenz auf Märkten ausblendet, müssten Zweifel am Selbstzweck Wettbewerb aufkommen. „Das Wettbewerbsmantra“ weiterlesen