Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?

Zwar hat Tomas Konicz immer mal wieder interessante Daten und Perspektiven im Köcher, die seine Artikel lesenswert machen, doch verharrt er bei der Wertkritik und somit implizit bei der Arbeitswertlehre, wenn er in seinen jüngsten Artikeln etwa schreibt:

Obwohl Lohnarbeit die Substanz des Kapitals bildet, strebt das Kapital in der marktvermittelten Konkurrenz zugleich danach, die Lohnarbeit möglichst weitgehend durch Rationalisierung aus dem Produktionsprozess zu verbannen.

Es ist wohl kaum bestreitbar, dass es Produktivitätssteigerungen gibt, wenn man nicht den Nachfragetheoretikerinnen anhängt, die diese Beobachtung für Arbeitgeberpropaganda halten. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass Unternehmen in erster Linie Gewinn erzielen wollen und sie bei geringen Lohnkosten nicht zwingend die neueste arbeitssparende Technik einsetzen. Darum korrespondiert der Entwicklungsstand der Technik nicht zwangsläufig mit deren Einsatz. Der Geschäftssinn könnte sozusagen die Effizienzsteigerung der Produktion untergraben, solange die internationale Konkurrenz mit massiven Preissenkungen keinen Strich durch die Rechnung macht. „Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?“ weiterlesen

Zu den Kernthesen der Wertkritik

Beim umhersurfen stieß ich auf zwei wertkritische Texte, die die Kerngedanken dieser Richtung der neuen Marxlektüre besser herauszubringen scheinen, als mir dies bisher unterkam. Zum einen wäre da Kurzens Beitrag von 1995, der mir auch deswegen kommentierenswert erscheint, weil der Text auch von 2016 datieren könnte, würde man die aktuellen Zeitbezüge daraus durch heutige ersetzen. „Zu den Kernthesen der Wertkritik“ weiterlesen

Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?

In einem Interview sagt Moishe Postone, der zur sogenannten Wertkritik gezählt werden kann, dass für ihn der entscheidende Schritt in seiner Interpretation von Marx, der Gedanke gewesen sei, dass die Vergesellschaftung mittels des Wertes bzw. die Kategorie des Werts historisch spezifisch für den Kapitalismus sei. Man ist geneigt von einer Art Ontologie des Sozialen durch die Wertvergesellschaftung zu reden. In der Tat verabschiedet sich auch die Wertkritik in Person von Postone von der Idee des empirisch-wissenschaftlichen Nachweises der Arbeitswertlehre und sagt den Zusammenbruch des Kapitalismus ohne Zeitangabe voraus, ohne eine Heilswerwartung damit zu verknüpfen. Klassenkampf ist nicht mehr der Motor der Geschichte, und die Hoffnungen auf das Proletariat als zukünftiges revolutionäres Subjekt haben sich erledigt, allein das Wegbrechen der Wertsubstanz durch den immer geringeren Arbeitseinsatz pro Produkteinheit treibt das System dem Ende entgegen. „Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?“ weiterlesen