Über Moishe Postones letzte Vorträge

Angeregt durch den Hinweis bei der Webseite Streifzüge schaute ich mir an, was Moishe Postone in seinen letzten Vorträgen in die Diskussion einbrachte. Unüberhörbar war jedenfalls, dass seine zentrale These, den Wert als eine historisch spezifische Angelegenheit des Kapitalismus aufzufassen, gewesen ist, die er aus den Grundrissen zum Kapital von Marx entnahm. Die Kritik von Marx habe sich Postone zufolge primär gegen die Vergesellschaftung über die homogenisierte abstrakte gesellschaftliche Arbeitszeit (=Arbeitswert) gerichtet. Ob diese Interpretation wirklich wasserdicht ist, sich mithin nicht auch genügend Gegenargumente in Marxens Werk finden, sei einmal dahingestellt. Nimmt man diese Warte ein, dann griff Marx die politische Ökonomie von Smith und Ricardo, als einen zu überwindenden Zustand, an. Damit umschifft Postone die Probleme, die sich ergeben, wenn man mit Hilfe des Wertbegriffs empirisch-wissenschaftlich versucht zu arbeiten, und macht gleichzeitig den Wert bzw. dessen Logik aber für die sich beschleunigende Dynamik des kapitalistischen Systems vor allem in Hinsicht auf die Entwicklung der Produktivkräfte verantwortlich. „Über Moishe Postones letzte Vorträge“ weiterlesen

Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert

Bemühte man sich Wortfelder zu Geld oder Wert zu erstellen, wäre es sehr wahrscheinlich, dass beide Begriffe darin jeweils auftauchten. Fragt man wieviel etwas wert ist, will man oft einen Preis genannt bekommen. Inflation wird meist so beschrieben, dass das Geld seinen Wert verlöre. Man redet von Vermögenswerten, geldwerten Leistungen etc.. Marxens Rede vom Gebrauchs- und Tauschwert der Waren ist daher intuitiv verständlich, ohne dass man sich das daraus entspinnende dialektische Begriffssytem kennen müsste bzw. vollumfänglich akzeptieren müsste. Oft geht es mir so, dass ich die Analysen an Marx geschulter Leute zu weiten Teilen plausibel finde, dafür aber nicht mehr oder weniger ausdrücklich die (Arbeits-)Wertlehre verteidigen würde. „Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert“ weiterlesen

Einige Schwierigkeiten der Arbeitswertlehre

Der Kernbaustein der marxschen Arbeitswertlehre besteht wohl darin, dass abstrakte Arbeit, d.h. Arbeit ohne Bezug auf ihren konkreten Inhalt, die für die Produktion einer Ware gesellschaftlich erbracht wurde, irgendwie den Warenpreis dominiert. Ihr Maß sei die durchschnittlich gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion einer Ware. Die Vorstellung der Marxianer scheint daher zu sein, dass es sich dabei um einen unbewussten gesellschaftlichen Prozess handelt. Sollte es sich um eine halbwegs überprüfbare Theorie handeln, müsste man sie testen können. Dies erfordert jedoch genauere Angaben zum besagten Prozess, wie der Wert w den Preis p einer Ware formbestimmt. „Einige Schwierigkeiten der Arbeitswertlehre“ weiterlesen