Ein paar Anmerkungen zur VWL aus eigener Erfahrung

Aus Anlass eines kleinen Disputs, der sich auf dem eher geschlechterpolitischen Blog man-tau ergab, möchte ich hier einige Anmerkungen zur akademischen Volkswirtschaftslehre machen, die dort den Rahmen nach meinem Empfinden sprengen würden. Sie entstammen meiner eigenen Erfahrung, dürften aber doch einigermaßen für die BRD-weite staatliche Universitätslandschaft verallgemeinerbar sein. Zunächst will ich knapp darstellen, was man nach einem Studium der VWL kann, dann die zentrale Theorie vorstellen und ihren Sinn aus neoliberaler Sicht erläutern. Abschließend will ich ein paar Spekulationen über die gesellschaftlichen Effekte einer ökonomischen Ausbildung in den Raum stellen. „Ein paar Anmerkungen zur VWL aus eigener Erfahrung“ weiterlesen

Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik

Nicht eben selten trifft man auf die Vorstellung die neoklassische Ökonomik sei im Prinzip identisch mit dem Neoliberalismus bzw. der neoliberalen Ideologie. Gar so einfach verhält es sich jedoch nicht. Die Neoklassik ist gekennzeichnet durch die Übernahme mathematischer Methoden aus der Physik des späten 19. Jahrhunderts, um die Wirtschaftswissenschaften auf das Niveau einer Naturwissenschaft zu heben. Im Zweig der Mikroökonomik wird man als Student der Wirtschaftswissenschaften nicht umhin können, die Grundzüge der Neoklassik, wie sie Walras und andere in der betreffenden Zeit ausarbeiteten, kennenzulernen. Später entwickelten Arrow und Debreu das bis heute akzeptierte Totalmodell einer Volkswirtschaft, das die Beschränkungen seiner Vorgänger mit Hilfe neuer mathematisch-logischer Verfahren aufheben konnte, dabei auf der Ebene der reinen Theorie angesiedelt ist. Als soziologisch wichtige Beobachtung gilt es dabei zu vermerken, dass die wenigsten Studierenden des Faches das mathematische Handwerkszeug hätten, um die Mathematik dahinter zu verstehen. Die Ausnahme bilden meist ehemalige Physikstudenten, die feststellten, dass es mit wissenschaftlichen Karriere in der Physik für sie wohl nichts werden wird und es mal bei einem VWL-Lehrstuhl probieren. „Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik“ weiterlesen