Gegen den Kapitalismus via Klassenkampf und Alternativen dazu

Bisweilen versetzt es mich in Erstaunen, wenn von manchen die traditionelle linke Marschroute über das Klassenbewusstsein zum Klassenkampf beschworen wird. Mag dies in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Revolutionen quasi noch in der Luft lagen, als ein gangbarer Weg erschienen sein, muss gut eineinhalb Jahrhunderte später meines Erachtens mindestens ein Update her, um diesem Strang der linken Tradition Glaubwürdigkeit abgewinnen zu können. Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, dass die Arbeiterbewegung bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht auch im „Westen“ einiges erreicht hätte. Den Kapitalismus bzw. die „freie Marktwirtschaft“ hat sie aber nicht abschaffen können. Mittlerweile muss man schon Berufsoptimist sein, wenn man von einer Bewegung der Arbeiterschaft sprechen wollte, lässt sie sich doch ziemlich kampflos alle erkämpften Errungenschaften nehmen. Daher gehe ich im Folgenden davon aus, dass sie nicht mehr existiert, oder doch so schwach ist, dass sie keinerlei gesellschaftliche Relevanz mehr besitzt. „Gegen den Kapitalismus via Klassenkampf und Alternativen dazu“ weiterlesen

Thesen bzw. Beobachtungen der „Modern Money Theory“

Es kann nicht schaden die zentralen Behauptungen der Modern Money Theory (MMT) kurz auf Deutsch zusammenzufassen, die auf zwei Blogbeiträgen basieren einer von Wray und einer von Mitchell. Die Thesen ergaben sich – wie im letzten Beitrag erwähnt – wohl aus der Beobachtung von Vorgängen im Finanzsektor, die dem gewöhnlichen Bild vom Geld bzw. vom Geldsystem fast diametral widersprechen. Die Rolle von Steuern und Staatsanleihen in einem währungssouveränen Staatsgebilde ohne Bindung an eine Ware wie Gold o.ä., d.h. wenn es sich um sog. fiat Geld handelt, ist nach der MMT vollkommen anders aufzufassen, als dies der größte Teil der Wirtschaftswissenschaft und der „gesunde Menschenverstand“ vermittelt über die Hauptmedien suggerieren. „Thesen bzw. Beobachtungen der „Modern Money Theory““ weiterlesen

Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert

Bemühte man sich Wortfelder zu Geld oder Wert zu erstellen, wäre es sehr wahrscheinlich, dass beide Begriffe darin jeweils auftauchten. Fragt man wieviel etwas wert ist, will man oft einen Preis genannt bekommen. Inflation wird meist so beschrieben, dass das Geld seinen Wert verlöre. Man redet von Vermögenswerten, geldwerten Leistungen etc.. Marxens Rede vom Gebrauchs- und Tauschwert der Waren ist daher intuitiv verständlich, ohne dass man sich das daraus entspinnende dialektische Begriffssytem kennen müsste bzw. vollumfänglich akzeptieren müsste. Oft geht es mir so, dass ich die Analysen an Marx geschulter Leute zu weiten Teilen plausibel finde, dafür aber nicht mehr oder weniger ausdrücklich die (Arbeits-)Wertlehre verteidigen würde. „Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II

Fragt man sich nach den Bedingungen dafür, warum das kapitalistische Realitätsprinzip so allgemein akzeptiert ist, rückt beinahe unweigerlich die Konkurrenz als eine wesentliche ins Blickfeld. Gibt es ausreichend viele Anbieter auf einem Markt, bewirkt die Konkurrenz in der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts, dass sich ein einziger Preis auf dem Markt einstellt, was wahlweise als vollkommene oder atomistische Konkurrenz bezeichnet wird. Spätestens mit dem Beginn der industriellen Revolution darf man jedoch davon ausgehen, dass Unternehmen in ihre Produktionstechnik investieren, um zu geringeren Kosten produzieren zu können als die Konkurrenten, wodurch sie einen Extraprofit erzielen können, indem sie eine zeitlang den marktüblichen Preis verlangen. Diesen Extraprofit können sie wiederum für neue Investitionen in die Produktionstechnik nutzen. Nach und nach werden die produktionstechnisch Führenden höchstwahrscheinlich die Preise senken, um Marktanteile zu gewinnen. Die Preissenkung setzt die anderen Anbieter unter Druck, die eigene Produktionstechnik zu erneuern. Sonst werden sie auf die eine oder andere Art vom Markt gedrängt bspw. durch Aufkauf oder Geschäftsaufgabe. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I

Während ein paar unentwegte Fans der untergegangenen Sozialdemokratie der 1960er und 1970er Jahre alle paar Wochen Aufrufe zur Neugründung verfassen, siehe z.B hier, verblassen die Fragen nach einer adäquaten Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Dynamik, die die Politik inzwischen ganz der neoliberalen Theorie gemäß im Schlepptau hinter sich her zieht.

Aus Geld mehr Geld zu machen, kann getrost als Motor der wirtschaftlichen Dynamik angesehen werden, wie sie in der Kurzfassung G-W-G‘ bzw. G-G‘ bei Marx zum Ausdruck kommt. Trotz dieses Rückgriffs auf Marx kann man sich von der Arbeitswertlehre lösen beginnend mit der Überlegung, dass es Geldverwendung schon lange vor dem Kapitalismus gab, und ein ausgebildetes Geldwesen eine zentrale Voraussetzung für die Entstehung desselben gewesen sein dürfte. Anhänger der Marxschen Theorie mögen derweil ihren Aufschrei unterdrücken und einfach einen anderen Gedankengang zulassen. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I“ weiterlesen