Die alltägliche Diktaturerfahrung

Die Qualitätsjournaille konstatiert allenthalben einen Verfall der Demokratie. Als Beleg wird z.B. die Wahl Bolsonaros in Brasilien angeführt, aber auch die Erfolge der AfD hierzulande. Sie vergisst, dass für die meisten Menschen demokratische Verfahren in ihrem Alltag die Ausnahme sind, womit gemeint ist, dass niemand von oben diktiert, was jemand zu tun hätte. Die sogenannte gelebte Demokratie findet daher vor allem in den Köpfen der Medienschaffenden statt, wenn sie über Parteitage, Wahlausgänge, Klausurtagungen, Staatsbesuche oder ähnliches berichten. Sie mögen mitunter auch Demonstrationen dazu zählen, über deren Anliegen sie aber meistens nur oberflächlich informieren, wobei nie vergessen wird zu erwähnen, ob es denn friedlich geblieben ist. Anstatt davon auszugehen, dass eine Demonstration zunächst einmal nichts mit Gewalt oder Sachbeschädigung zu tun hat, wird durch diese unhinterfragte Praxis der Journaille Demonstrationsteilnehmerinnen unterschwellig unterstellt, sie seien Krawallmacherinnen. Leistet diese Art der Berichterstattung wirklich einen Beitrag zur „gelebten Demokratie“? „Die alltägliche Diktaturerfahrung“ weiterlesen

Ernüchterndes über Nuit debout

Die spärliche Berichterstattung über die jüngste Platzbesetzungsbewegung Nuit debout in Europa, deren Schauplatz Frankreich war, hatte mich zu der Fehleinschätzung verleitet, dass sich Nuit debout mit den Gewerkschaften zusammen gegen Hartz-IV à la française verbünden würde. Leider stimmten die Voraussagen derjenigen, dass sich die Bewegung mit Beginn der frz. Sommerferien verlaufen würde. „Ernüchterndes über Nuit debout“ weiterlesen