Zur Evidenz marxistischer Grundannahmen

Marxistisch bzw. marxianisch (*) gefärbte Beiträge treffen oft Voraussetzungen, die allem Anschein nach für vollkommen evident gehalten werden. So heißt es in Susan Bonaths Artikel einleitend, dass die Baumwollpflückerin und die Näherin, die einzigen seien, die einem – sagen wir – Baumwollhemd neuen Mehrwert zufügten. Handel, Transport, Finanzwesen usw. trügen nicht zum „Realprofit“ bzw. „neuen Mehrwehrt“ bei. Nur im Produktionsprozess kann dieser Doktrin zufolge neuer Mehrwert entstehen. In zahlreichen Variationen lässt sich dieses Credo der marxianischen Arbeitswertlehreadeptinnen seit eineinhalb Jahrhunderten lesen. Dass seither aber – soweit ich das bisher überblicken konnte – ziemlich unklar geblieben ist, wie jener „Realprofit“ zu messen wäre, lässt sich nur schwer abstreiten. Die Marx-Interpretationen gehen darüber nämlich sehr weit auseinander. Dennoch ist die freundlichere Entgegnung auf solchen Marx-Frevel oft der des verkürzten Marxverständnisses, wird man nicht gleich der kapitalistischen Spitzelei bezichtigt. Da ich tatsächlich mehr an Verständigung als an Polemiken interessiert bin, versuche ich hiermit mein Marxverständis zu „verlängern“. „Zur Evidenz marxistischer Grundannahmen“ weiterlesen

Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?

Zwar hat Tomasz Konicz immer mal wieder interessante Daten und Perspektiven im Köcher, die seine Artikel lesenswert machen, doch verharrt er bei der Wertkritik und somit implizit bei der Arbeitswertlehre, wenn er in seinen jüngsten Artikeln etwa schreibt:

Obwohl Lohnarbeit die Substanz des Kapitals bildet, strebt das Kapital in der marktvermittelten Konkurrenz zugleich danach, die Lohnarbeit möglichst weitgehend durch Rationalisierung aus dem Produktionsprozess zu verbannen.

Es ist wohl kaum bestreitbar, dass es Produktivitätssteigerungen gibt, wenn man nicht den Nachfragetheoretikerinnen anhängt, die diese Beobachtung für Arbeitgeberpropaganda halten. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass Unternehmen in erster Linie Gewinn erzielen wollen und sie bei geringen Lohnkosten nicht zwingend die neueste arbeitssparende Technik einsetzen. Darum korrespondiert der Entwicklungsstand der Technik nicht zwangsläufig mit deren Einsatz. Der Geschäftssinn könnte sozusagen die Effizienzsteigerung der Produktion untergraben, solange die internationale Konkurrenz mit massiven Preissenkungen keinen Strich durch die Rechnung macht. „Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?“ weiterlesen

Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert

Bemühte man sich Wortfelder zu Geld oder Wert zu erstellen, wäre es sehr wahrscheinlich, dass beide Begriffe darin jeweils auftauchten. Fragt man wieviel etwas wert ist, will man oft einen Preis genannt bekommen. Inflation wird meist so beschrieben, dass das Geld seinen Wert verlöre. Man redet von Vermögenswerten, geldwerten Leistungen etc.. Marxens Rede vom Gebrauchs- und Tauschwert der Waren ist daher intuitiv verständlich, ohne dass man sich das daraus entspinnende dialektische Begriffssytem kennen müsste bzw. vollumfänglich akzeptieren müsste. Oft geht es mir so, dass ich die Analysen an Marx geschulter Leute zu weiten Teilen plausibel finde, dafür aber nicht mehr oder weniger ausdrücklich die (Arbeits-)Wertlehre verteidigen würde. „Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert“ weiterlesen