Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?

Zwar hat Tomasz Konicz immer mal wieder interessante Daten und Perspektiven im Köcher, die seine Artikel lesenswert machen, doch verharrt er bei der Wertkritik und somit implizit bei der Arbeitswertlehre, wenn er in seinen jüngsten Artikeln etwa schreibt:

Obwohl Lohnarbeit die Substanz des Kapitals bildet, strebt das Kapital in der marktvermittelten Konkurrenz zugleich danach, die Lohnarbeit möglichst weitgehend durch Rationalisierung aus dem Produktionsprozess zu verbannen.

Es ist wohl kaum bestreitbar, dass es Produktivitätssteigerungen gibt, wenn man nicht den Nachfragetheoretikerinnen anhängt, die diese Beobachtung für Arbeitgeberpropaganda halten. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass Unternehmen in erster Linie Gewinn erzielen wollen und sie bei geringen Lohnkosten nicht zwingend die neueste arbeitssparende Technik einsetzen. Darum korrespondiert der Entwicklungsstand der Technik nicht zwangsläufig mit deren Einsatz. Der Geschäftssinn könnte sozusagen die Effizienzsteigerung der Produktion untergraben, solange die internationale Konkurrenz mit massiven Preissenkungen keinen Strich durch die Rechnung macht. „Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?“ weiterlesen

Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert

Bemühte man sich Wortfelder zu Geld oder Wert zu erstellen, wäre es sehr wahrscheinlich, dass beide Begriffe darin jeweils auftauchten. Fragt man wieviel etwas wert ist, will man oft einen Preis genannt bekommen. Inflation wird meist so beschrieben, dass das Geld seinen Wert verlöre. Man redet von Vermögenswerten, geldwerten Leistungen etc.. Marxens Rede vom Gebrauchs- und Tauschwert der Waren ist daher intuitiv verständlich, ohne dass man sich das daraus entspinnende dialektische Begriffssytem kennen müsste bzw. vollumfänglich akzeptieren müsste. Oft geht es mir so, dass ich die Analysen an Marx geschulter Leute zu weiten Teilen plausibel finde, dafür aber nicht mehr oder weniger ausdrücklich die (Arbeits-)Wertlehre verteidigen würde. „Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II

Fragt man sich nach den Bedingungen dafür, warum das kapitalistische Realitätsprinzip so allgemein akzeptiert ist, rückt beinahe unweigerlich die Konkurrenz als eine wesentliche ins Blickfeld. Gibt es ausreichend viele Anbieter auf einem Markt, bewirkt die Konkurrenz in der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts, dass sich ein einziger Preis auf dem Markt einstellt, was wahlweise als vollkommene oder atomistische Konkurrenz bezeichnet wird. Spätestens mit dem Beginn der industriellen Revolution darf man jedoch davon ausgehen, dass Unternehmen in ihre Produktionstechnik investieren, um zu geringeren Kosten produzieren zu können als die Konkurrenten, wodurch sie einen Extraprofit erzielen können, indem sie eine zeitlang den marktüblichen Preis verlangen. Diesen Extraprofit können sie wiederum für neue Investitionen in die Produktionstechnik nutzen. Nach und nach werden die produktionstechnisch Führenden höchstwahrscheinlich die Preise senken, um Marktanteile zu gewinnen. Die Preissenkung setzt die anderen Anbieter unter Druck, die eigene Produktionstechnik zu erneuern. Sonst werden sie auf die eine oder andere Art vom Markt gedrängt bspw. durch Aufkauf oder Geschäftsaufgabe. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I

Während ein paar unentwegte Fans der untergegangenen Sozialdemokratie der 1960er und 1970er Jahre alle paar Wochen Aufrufe zur Neugründung verfassen, siehe z.B hier, verblassen die Fragen nach einer adäquaten Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Dynamik, die die Politik inzwischen ganz der neoliberalen Theorie gemäß im Schlepptau hinter sich her zieht.

Aus Geld mehr Geld zu machen, kann getrost als Motor der wirtschaftlichen Dynamik angesehen werden, wie sie in der Kurzfassung G-W-G‘ bzw. G-G‘ bei Marx zum Ausdruck kommt. Trotz dieses Rückgriffs auf Marx kann man sich von der Arbeitswertlehre lösen beginnend mit der Überlegung, dass es Geldverwendung schon lange vor dem Kapitalismus gab, und ein ausgebildetes Geldwesen eine zentrale Voraussetzung für die Entstehung desselben gewesen sein dürfte. Anhänger der Marxschen Theorie mögen derweil ihren Aufschrei unterdrücken und einfach einen anderen Gedankengang zulassen. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I“ weiterlesen

Zu den Kernthesen der Wertkritik

Beim umhersurfen stieß ich auf zwei wertkritische Texte, die die Kerngedanken dieser Richtung der neuen Marxlektüre besser herauszubringen scheinen, als mir dies bisher unterkam. Zum einen wäre da Kurzens Beitrag von 1995, der mir auch deswegen kommentierenswert erscheint, weil der Text auch von 2016 datieren könnte, würde man die aktuellen Zeitbezüge daraus durch heutige ersetzen. „Zu den Kernthesen der Wertkritik“ weiterlesen

Einige Schwierigkeiten der Arbeitswertlehre

Der Kernbaustein der marxschen Arbeitswertlehre besteht wohl darin, dass abstrakte Arbeit, d.h. Arbeit ohne Bezug auf ihren konkreten Inhalt, die für die Produktion einer Ware gesellschaftlich erbracht wurde, irgendwie den Warenpreis dominiert. Ihr Maß sei die durchschnittlich gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion einer Ware. Die Vorstellung der Marxianer scheint daher zu sein, dass es sich dabei um einen unbewussten gesellschaftlichen Prozess handelt. Sollte es sich um eine halbwegs überprüfbare Theorie handeln, müsste man sie testen können. Dies erfordert jedoch genauere Angaben zum besagten Prozess, wie der Wert w den Preis p einer Ware formbestimmt. „Einige Schwierigkeiten der Arbeitswertlehre“ weiterlesen