Gegen den Kapitalismus via Klassenkampf und Alternativen dazu

Bisweilen versetzt es mich in Erstaunen, wenn von manchen die traditionelle linke Marschroute über das Klassenbewusstsein zum Klassenkampf beschworen wird. Mag dies in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Revolutionen quasi noch in der Luft lagen, als ein gangbarer Weg erschienen sein, muss gut eineinhalb Jahrhunderte später meines Erachtens mindestens ein Update her, um diesem Strang der linken Tradition Glaubwürdigkeit abgewinnen zu können. Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, dass die Arbeiterbewegung bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht auch im „Westen“ einiges erreicht hätte. Den Kapitalismus bzw. die „freie Marktwirtschaft“ hat sie aber nicht abschaffen können. Mittlerweile muss man schon Berufsoptimist sein, wenn man von einer Bewegung der Arbeiterschaft sprechen wollte, lässt sie sich doch ziemlich kampflos alle erkämpften Errungenschaften nehmen. Daher gehe ich im Folgenden davon aus, dass sie nicht mehr existiert, oder doch so schwach ist, dass sie keinerlei gesellschaftliche Relevanz mehr besitzt. „Gegen den Kapitalismus via Klassenkampf und Alternativen dazu“ weiterlesen

„Leben, um zu arbeiten“: zur Sendung „Lebenszeit“

Zu Gast in der Sendung Lebenszeit auf dem DLF waren die Soziologieprofessorin Jutta Allmendinger und der Chefredakteur eines philosophischen Magazins Thomas Vašek. Bei „Lebenszeit“ handelt es sich um ein Format mit Zuhörerbeteiligung, was ein gewisses Maß an Zufälligkeit mit in den Verlauf bringen kann. Ich konnte sie weitgehend mitverfolgen und fand ein paar Punkte bemerkenswert, die ich kurz notieren möchte.

Zwar wiesen die Gäste auf ihre jeweils privilegierte Stellung hin, für etwas bezahlt zu werden, in dem sie einen Sinn sehen und dabei noch ziemlich selbstbestimmt ihre Zeit einteilen zu können, umschifften aber gekonnt die Frage, warum die meisten Menschen dieses Privileg nicht genießen. Warum sich Millionen Menschen in aller Frühe aus dem Bett quälen, um einem Job im Schichtrhythmus nachzugehen, kam somit gar nicht zur Sprache. Vielmehr wurde die normative Frage gestellt, welchen Stellenwert Arbeit haben sollte. Die Wirtschaft bzw. der Kapitalismus kam so gar nicht vor. Das allein ist schon eine bemerkenswerte Leistung! „„Leben, um zu arbeiten“: zur Sendung „Lebenszeit““ weiterlesen

Zur Einstellung der jungen Beschäftigten in Deutschland

Manchmal schnappt man aus dem öffentlichen Rundfunk etwas auf und weiß nicht mehr genau, wann und wo es gesendet wurde. Jedenfalls begab es sich vor ein paar Tagen, dass die Meldung die Runde machte, dass die jungen Beschäftigten hierzulande mehrheitlich eine nüchterne Einstellung zu ihrem Job haben: Sie gehen zur Arbeit, weil sie dafür bezahlt werden. Na da schau her, Geld ist die Hauptmotivation für die Arbeit nicht die „Selbstverwirklichung” und der Spass an der Tätigkeit.
„Zur Einstellung der jungen Beschäftigten in Deutschland“ weiterlesen

Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?

In einem Interview sagt Moishe Postone, der zur sogenannten Wertkritik gezählt werden kann, dass für ihn der entscheidende Schritt in seiner Interpretation von Marx, der Gedanke gewesen sei, dass die Vergesellschaftung mittels des Wertes bzw. die Kategorie des Werts historisch spezifisch für den Kapitalismus sei. Man ist geneigt von einer Art Ontologie des Sozialen durch die Wertvergesellschaftung zu reden. In der Tat verabschiedet sich auch die Wertkritik in Person von Postone von der Idee des empirisch-wissenschaftlichen Nachweises der Arbeitswertlehre und sagt den Zusammenbruch des Kapitalismus ohne Zeitangabe voraus, ohne eine Heilswerwartung damit zu verknüpfen. Klassenkampf ist nicht mehr der Motor der Geschichte, und die Hoffnungen auf das Proletariat als zukünftiges revolutionäres Subjekt haben sich erledigt, allein das Wegbrechen der Wertsubstanz durch den immer geringeren Arbeitseinsatz pro Produkteinheit treibt das System dem Ende entgegen. „Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?“ weiterlesen