Die Konsequenzen der Marktwirtschaft

Die heiß geliebte Marktnatur des Menschen wird von Keynesianern und Neoklassikern bis hin zu Ordo- bzw. Neoliberalen verteidigt. Im Kern sind sie alle sich einig, dass der Markt das beste Mittel zur Versorgung aller Menschen mit Gütern und Dienstleistungen darstellt, gerade weil die Versorgung auf dem indirekten Wege der persönlichen Bereicherung stattfindet. Der Egoismus der Einzelnen hat so den charmanten Nebeneffekt der optimalen Versorgung aller, die berühmte unsichtbare Hand. „Die Konsequenzen der Marktwirtschaft“ weiterlesen

Über die Wirksamkeit des Protests

In einer eher verdrießlichen Gesamtsituation, was jeglichen Gedanken an eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung anbelangt, trottet die von Preissignalen und Bereicherungserfahrungen gesteuerte Marktgesellschaft ohne Ziel weiter. Ein paar sich links verortende Leute organisieren gewissermaßen ihre Klassentreffen mit Demo rund um politische Ereignisse wie den G20 Gipfel im Juli in Hamburg, ohne dass erkennbar wäre, was außer dem Slogan, dass eine andere Welt möglich wäre, dabei noch transportiert werden könnte. Wer hinfährt, kann sich vergewissern, nicht völlig allein zu sein mit seinen Ansichten. Fraglich bleibt aber, ob solche Art Protest mehr sein kann als bloßer Selbstzweck für ein paar unentwegte Linksautonome. „Über die Wirksamkeit des Protests“ weiterlesen

Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert

Bemühte man sich Wortfelder zu Geld oder Wert zu erstellen, wäre es sehr wahrscheinlich, dass beide Begriffe darin jeweils auftauchten. Fragt man wieviel etwas wert ist, will man oft einen Preis genannt bekommen. Inflation wird meist so beschrieben, dass das Geld seinen Wert verlöre. Man redet von Vermögenswerten, geldwerten Leistungen etc.. Marxens Rede vom Gebrauchs- und Tauschwert der Waren ist daher intuitiv verständlich, ohne dass man sich das daraus entspinnende dialektische Begriffssytem kennen müsste bzw. vollumfänglich akzeptieren müsste. Oft geht es mir so, dass ich die Analysen an Marx geschulter Leute zu weiten Teilen plausibel finde, dafür aber nicht mehr oder weniger ausdrücklich die (Arbeits-)Wertlehre verteidigen würde. „Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert“ weiterlesen

Das System funktioniert nicht mehr – aber die Ideologie schon

Letztens lief über den Ticker, dass ein Umfrageinstitut in einer internationalen Befragung feststellte, dass die Mehrheit der Bevölkerungen des globalen Nordens, oder wie immer man das nennen will, dem System nicht mehr traut. Im Untertitel meint Rötzer – möglicherweise ironisch, dass wir aufgrund der Ergebnisse der Umfrage in vorrevolutionären Zeiten leben würden.

Trotz leichter Einbußen trauen die Leute den Unternehmen eher als Politik und Journaille, obwohl letztere meist zu den Unternehmen zu zählen ist. Die Auflösung der parlamentarischen Politik in betriebswirtschaftliche Logik bringt eine Situation hervor, in der die Leute scheinbar eine Sehnsucht nach Figuren bekommen, die auf den Tisch hauen und sagen, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Dem diffusen Unbehagen braucht man bloß mit ebenso diffusen Äußerungen zu begegnen, und schon kann man auf der politischen Bühne der Zuschauerdemokratie eine ganze Menge Menschen gewinnen. „Das System funktioniert nicht mehr – aber die Ideologie schon“ weiterlesen

Zum Weltwirtschaftsforum in Davos

Zu den alljährlichen massenmedialen Ritualen gehört die Berichterstattung über das Weltwirtschaftsforum in Davos, ausgerichtet seit 1971 von Klaus Schwab seines Zeichens emeritierter Professor einer schweizer Hochschule. Das Forum umfasst nach eigenen Angaben Mitglieder aus allen Bereichen von Wirtschaft, Kultur, Hochschulen usw.. Der Schwerpunkt liegt natürlich, wie der Name schon sagt, bei global führenden Unternehmen. Die im Forum versammelten Organisationen verschreiben sich der Mission, die Welt besser zu machen, sind quasi die Pfadfinder der globalen Führungskräfte. Immerhin findet sich keine reine Rüstungsfirma unter den Partnern. „Zum Weltwirtschaftsforum in Davos“ weiterlesen

Ernüchterndes über Nuit debout

Die spärliche Berichterstattung über die jüngste Platzbesetzungsbewegung Nuit debout in Europa, deren Schauplatz Frankreich war, hatte mich zu der Fehleinschätzung verleitet, dass sich Nuit debout mit den Gewerkschaften zusammen gegen Hartz-IV à la française verbünden würde. Leider stimmten die Voraussagen derjenigen, dass sich die Bewegung mit Beginn der frz. Sommerferien verlaufen würde. „Ernüchterndes über Nuit debout“ weiterlesen

Economics, Politische Ökonomie und kritische politökonomische Forschung

Der Begriff Economics erinnert im Englischen an Physics, was nicht von ungefähr kommt, neidete doch ein großer Teil der Ökonomen die Erfolge der Physik. Entsprechend machten sie sich am Ende des 19. Jahrhunderts daran die mathematische Exaktheit der Physik nachzuahmen, ohne jedoch jemals den Prognoseerfolg aufweisen zu können, den ihre naturwissenschaftlichen Kollegen immer wieder unter Beweis stellten. Daher drängt sich der Verdacht auf, dass Economics in konzeptionellen Schwierigkeiten steckt, die einen vergleichbaren Fortschritt wie in den Naturwissenschaften bislang verhinderten. Aufgrund gesellschaftlicher Umstände ficht dies die Reputation der im deutschsprachigen Raum Volkswirtschaftslehre genannten Disziplin jedoch kaum an, was sicher die ein oder andere soziologische Untersuchung verdient hätte. „Economics, Politische Ökonomie und kritische politökonomische Forschung“ weiterlesen

Die soziale Frage und identitätspolitische Polarisierungen

Wer gewisse Auswüchse linker subkultureller Entwicklungen der letzten Zeit (Gendersprech, Veganismus etc.) kritisch sieht, muss sich z.B. den Vorwurf gefallen lassen, man wolle zurück in die Adenauer-Ära. Oder wer den Veganismus als Askese und damit als religiöse Ersatzhandlung bezeichnet, wird gleich zum Nihilisten ohne moralischen Kompass. Dass die demonstrative Zurschaustellung eigener moralischer Überlegenheit die Wahrnehmung davon prägt, was die sogenannte radikale Linke in deutschen Landen noch an erkennbaren Inhalten zu bieten hat, bleibt vielen linken Grüppchen hierzulande anscheinend verborgen. Abgeschottet in der eigenen Echokammer findet keine Auseinandersetzung mehr um die Inhalte statt, kann Kritik daran nur von dummen, bösartigen Menschen kommen, die ihre Privilegien nicht ausreichend überprüft haben. „Die soziale Frage und identitätspolitische Polarisierungen“ weiterlesen

Nicht immer die richtige Wahl: Herablassung gegenüber Rechten

Nach zwei medialen Begegnungen mit AfD-Mitgliedern, die nicht auf den Kopf gefallen zu sein scheinen, die jedoch während dieser Begegnungen ihre Beweggründe, sich dieser nationalistischen Partei anzuschließen, (formatbedingt) nicht darlegten, treiben mich genau diese Beweggründe um. Obwohl die Gleichung „AfD = Partei rechter dummer Menschen” nach der Abspaltung des professoralen Flügels um Lucke eine gewisse Plausibilität gewonnen haben mag, wird diese allgemeine Aussage durch diese beiden Gegenbeispiele widerlegt, die ich kurz darstellen möchte. (Wer genaueres erfahren möchte, kann auf die Links klicken.) „Nicht immer die richtige Wahl: Herablassung gegenüber Rechten“ weiterlesen

Alternativlose Globalisierung

Durch Zufall lieferte mir der Blick auf die Unterseiten von Spielzeugautos aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren einen Einblick in die Umsetzung des T.I.N.A.-Prinzips (There is no alternative.) am Beginn der neoliberalen Wende. Stand auf den älteren Modellen noch „Made in the UK” oder „Made in Western Germany”, las man auf den jüngeren Modellen sowohl britischer wie deutscher Hersteller „Made in Taiwan”. Alternativlos wurde die Produktion von Spielzeugautos nach Taiwan verlagert, damit sich die Leistung eine Spielzeugfirma zu besitzen, wieder lohnte. Vorher waren diese Leute bestimmt bettelarm….

Die Kräfte des Marktes sorgten für diese Veränderungen, gegen die man sich nach der seither herrschenden Ideologie nicht wehren kann, weil es genauso lächerlich wäre, wie sich gegen das Wetter aufzulehnen. Wenn davon die Rede ist, dass den Menschen in den Industrieländern mit der Globalisierung etwas versprochen worden sei, dann war die Alternativlosigkeit der Globalisierung ein mindestens ebenso wichtiges Argument. In der 38sten Folge von Alternativlos werden die Wahlsiege von rechten Parteien u.a. darauf zurückgeführt, dass die Mehrheit der Leute sich von den Versprechungen der Globalisierung enttäuscht sah. „Alternativlose Globalisierung“ weiterlesen