Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft

Realisierbar und realistisch in der Marktwirtschaft ist, was Unternehmen möglichst hohe Gewinne in der Zukunft ermöglicht bzw. zu ermöglichen verspricht. Erwartungen spielen deswegen in den veröffentlichten Wirtschaftsnachrichten eine Hauptrolle. Die neoliberale Glaubensgemeinschaft ist übrigens der geradezu religiösen Überzeugung, dass diese marktwirtschaftlich gebildeten Erwartungen den unhinterfragbaren Ratschluss des Marktes darstellen, dem sich die Individuen zu unterwerfen hätten, um nicht in der sozialistischen Mangelwirtschaft zu landen. Die Erwartungen mögen bisweilen nicht in Erfüllung gehen, dann haben diejenigen Pech gehabt, die darunter zu leiden haben. So funktioniert nunmal die Evolution. Basta. Auf dieser Ebene ist der Neoliberalismus nicht angreifbar. „Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II

Fragt man sich nach den Bedingungen dafür, warum das kapitalistische Realitätsprinzip so allgemein akzeptiert ist, rückt beinahe unweigerlich die Konkurrenz als eine wesentliche ins Blickfeld. Gibt es ausreichend viele Anbieter auf einem Markt, bewirkt die Konkurrenz in der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts, dass sich ein einziger Preis auf dem Markt einstellt, was wahlweise als vollkommene oder atomistische Konkurrenz bezeichnet wird. Spätestens mit dem Beginn der industriellen Revolution darf man jedoch davon ausgehen, dass Unternehmen in ihre Produktionstechnik investieren, um zu geringeren Kosten produzieren zu können als die Konkurrenten, wodurch sie einen Extraprofit erzielen können, indem sie eine zeitlang den marktüblichen Preis verlangen. Diesen Extraprofit können sie wiederum für neue Investitionen in die Produktionstechnik nutzen. Nach und nach werden die produktionstechnisch Führenden höchstwahrscheinlich die Preise senken, um Marktanteile zu gewinnen. Die Preissenkung setzt die anderen Anbieter unter Druck, die eigene Produktionstechnik zu erneuern. Sonst werden sie auf die eine oder andere Art vom Markt gedrängt bspw. durch Aufkauf oder Geschäftsaufgabe. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I

Während ein paar unentwegte Fans der untergegangenen Sozialdemokratie der 1960er und 1970er Jahre alle paar Wochen Aufrufe zur Neugründung verfassen, siehe z.B hier, verblassen die Fragen nach einer adäquaten Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Dynamik, die die Politik inzwischen ganz der neoliberalen Theorie gemäß im Schlepptau hinter sich her zieht.

Aus Geld mehr Geld zu machen, kann getrost als Motor der wirtschaftlichen Dynamik angesehen werden, wie sie in der Kurzfassung G-W-G‘ bzw. G-G‘ bei Marx zum Ausdruck kommt. Trotz dieses Rückgriffs auf Marx kann man sich von der Arbeitswertlehre lösen beginnend mit der Überlegung, dass es Geldverwendung schon lange vor dem Kapitalismus gab, und ein ausgebildetes Geldwesen eine zentrale Voraussetzung für die Entstehung desselben gewesen sein dürfte. Anhänger der Marxschen Theorie mögen derweil ihren Aufschrei unterdrücken und einfach einen anderen Gedankengang zulassen. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I“ weiterlesen

Zu den Kernthesen der Wertkritik

Beim umhersurfen stieß ich auf zwei wertkritische Texte, die die Kerngedanken dieser Richtung der neuen Marxlektüre besser herauszubringen scheinen, als mir dies bisher unterkam. Zum einen wäre da Kurzens Beitrag von 1995, der mir auch deswegen kommentierenswert erscheint, weil der Text auch von 2016 datieren könnte, würde man die aktuellen Zeitbezüge daraus durch heutige ersetzen. „Zu den Kernthesen der Wertkritik“ weiterlesen

Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik

Nicht eben selten trifft man auf die Vorstellung die neoklassische Ökonomik sei im Prinzip identisch mit dem Neoliberalismus bzw. der neoliberalen Ideologie. Gar so einfach verhält es sich jedoch nicht. Die Neoklassik ist gekennzeichnet durch die Übernahme mathematischer Methoden aus der Physik des späten 19. Jahrhunderts, um die Wirtschaftswissenschaften auf das Niveau einer Naturwissenschaft zu heben. Im Zweig der Mikroökonomik wird man als Student der Wirtschaftswissenschaften nicht umhin können, die Grundzüge der Neoklassik, wie sie Walras und andere in der betreffenden Zeit ausarbeiteten, kennenzulernen. Später entwickelten Arrow und Debreu das bis heute akzeptierte Totalmodell einer Volkswirtschaft, das die Beschränkungen seiner Vorgänger mit Hilfe neuer mathematisch-logischer Verfahren aufheben konnte, dabei auf der Ebene der reinen Theorie angesiedelt ist. Als soziologisch wichtige Beobachtung gilt es dabei zu vermerken, dass die wenigsten Studierenden des Faches das mathematische Handwerkszeug hätten, um die Mathematik dahinter zu verstehen. Die Ausnahme bilden meist ehemalige Physikstudenten, die feststellten, dass es mit wissenschaftlichen Karriere in der Physik für sie wohl nichts werden wird und es mal bei einem VWL-Lehrstuhl probieren. „Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik“ weiterlesen

Gedanken zu Lohnerhöhungen

Lohnerhöhungen in Deutschland stellen aus der Sicht der nachfragetheoretischen Makroökonomie quasi das Allheilmittel dar, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa auszugleichen und zugleich die Angst vor technisch bedingter Arbeitslosigkeit als Propaganda zu entlarven. Selbst wenn man die Zweifel in Bezug auf technisch bedingte Arbeitslosigkeit, die sich schon einstellen, wenn man die automatischen Kassen in einem Premiumsupermarkt erblickt, für den Moment beiseite lässt, fällt doch auf, dass in den letzten Jahrzehnten eine gelinde ausgedrückt eher gegenläufige Wirtschaftspolitik betrieben wurde. Immer wieder wurde von Lohnzurückhaltung gesprochen, um den Aufschwung nicht zu gefährden. Ein großer Niedriglohnsektor wurde eingeführt, die Lohnnebenkosten gesenkt. Mit Hartz IV wurde ein Disziplinararrangement gegen die Arbeitslosen gefunden, das die diffuse Angst um den Arbeitsplatz zu einer der vorrangingen Sorgen vieler Menschen hierzulande hat werden lassen. „Gedanken zu Lohnerhöhungen“ weiterlesen

Unternehmen wollen Gewinne erzielen. – Nein? – Doch! – Oh…

Jüngst wagten zwei Autoren vom Makroskop einen Blick in die Standardliteratur für BWL. Höchst erstaunt mussten sie feststellen, dass die handelsübliche Betriebswirtschaftslehre den Zweck eines Unternehmens darin sieht, dass ein Geldeinkommen erzielt wird. Anders als bei abhängig Beschäftigten nennt sich das erzielte Geldeinkommen im Fall eines Unternehmens Gewinn. Die beiden geben sich zutiefst erschüttert ob dieser schnöden so gar nicht humanistischen Maxime, sehen scheinbar eine Art Frevel darin, dass Wertschöpfung mit Geldeinkommens- bzw. Gewinnmaximierung in der Standardbetriebswirtschaftslehre identisch ist. „Unternehmen wollen Gewinne erzielen. – Nein? – Doch! – Oh…“ weiterlesen

Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?

In einem Interview sagt Moishe Postone, der zur sogenannten Wertkritik gezählt werden kann, dass für ihn der entscheidende Schritt in seiner Interpretation von Marx, der Gedanke gewesen sei, dass die Vergesellschaftung mittels des Wertes bzw. die Kategorie des Werts historisch spezifisch für den Kapitalismus sei. Man ist geneigt von einer Art Ontologie des Sozialen durch die Wertvergesellschaftung zu reden. In der Tat verabschiedet sich auch die Wertkritik in Person von Postone von der Idee des empirisch-wissenschaftlichen Nachweises der Arbeitswertlehre und sagt den Zusammenbruch des Kapitalismus ohne Zeitangabe voraus, ohne eine Heilswerwartung damit zu verknüpfen. Klassenkampf ist nicht mehr der Motor der Geschichte, und die Hoffnungen auf das Proletariat als zukünftiges revolutionäres Subjekt haben sich erledigt, allein das Wegbrechen der Wertsubstanz durch den immer geringeren Arbeitseinsatz pro Produkteinheit treibt das System dem Ende entgegen. „Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?“ weiterlesen

Die „neue Linke”, Neoliberalismus und die invertierte Rückkehr der Ehre

Bei gründlicher Überlegung zeigt sich, dass Forderungen nach negativen liberalen Freiheiten, Freiheiten von etwas, sich quasi auf alles beziehen können, was irgendein menschliches Wesen als störend oder beleidigend empfinden könnte. Auf dieser Spielwiese darf sich die neue Linke nach Herzenslust austoben und nutzt diesen Spielraum auch weidlich. Die Auswirkungen dieses bunten Treibens nehmen inzwischen groteske Züge an. Insbesondere die neue politische Korrektheit aus den Universitäten des angelsächsischen Raums gibt Anlass zu Stirnrunzeln, wenn etwa Triggerwarnungen bei der Shakespeare-Lektüre verlangt werden, die Nietzsche-Gesellschaft einer Uni verboten werden soll etc.. „Die „neue Linke”, Neoliberalismus und die invertierte Rückkehr der Ehre“ weiterlesen

Einige Schwierigkeiten der Arbeitswertlehre

Der Kernbaustein der marxschen Arbeitswertlehre besteht wohl darin, dass abstrakte Arbeit, d.h. Arbeit ohne Bezug auf ihren konkreten Inhalt, die für die Produktion einer Ware gesellschaftlich erbracht wurde, irgendwie den Warenpreis dominiert. Ihr Maß sei die durchschnittlich gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion einer Ware. Die Vorstellung der Marxianer scheint daher zu sein, dass es sich dabei um einen unbewussten gesellschaftlichen Prozess handelt. Sollte es sich um eine halbwegs überprüfbare Theorie handeln, müsste man sie testen können. Dies erfordert jedoch genauere Angaben zum besagten Prozess, wie der Wert w den Preis p einer Ware formbestimmt. „Einige Schwierigkeiten der Arbeitswertlehre“ weiterlesen