Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft

Realisierbar und realistisch in der Marktwirtschaft ist, was Unternehmen möglichst hohe Gewinne in der Zukunft ermöglicht bzw. zu ermöglichen verspricht. Erwartungen spielen deswegen in den veröffentlichten Wirtschaftsnachrichten eine Hauptrolle. Die neoliberale Glaubensgemeinschaft ist übrigens der geradezu religiösen Überzeugung, dass diese marktwirtschaftlich gebildeten Erwartungen den unhinterfragbaren Ratschluss des Marktes darstellen, dem sich die Individuen zu unterwerfen hätten, um nicht in der sozialistischen Mangelwirtschaft zu landen. Die Erwartungen mögen bisweilen nicht in Erfüllung gehen, dann haben diejenigen Pech gehabt, die darunter zu leiden haben. So funktioniert nunmal die Evolution. Basta. Auf dieser Ebene ist der Neoliberalismus nicht angreifbar. „Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft“ weiterlesen

Zur Einstellung der jungen Beschäftigten in Deutschland

Manchmal schnappt man aus dem öffentlichen Rundfunk etwas auf und weiß nicht mehr genau, wann und wo es gesendet wurde. Jedenfalls begab es sich vor ein paar Tagen, dass die Meldung die Runde machte, dass die jungen Beschäftigten hierzulande mehrheitlich eine nüchterne Einstellung zu ihrem Job haben: Sie gehen zur Arbeit, weil sie dafür bezahlt werden. Na da schau her, Geld ist die Hauptmotivation für die Arbeit nicht die „Selbstverwirklichung” und der Spass an der Tätigkeit.
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Die perfide Doppelzüngigkeit des Neoliberalismus und die Sozialdemokratie

Wer ernsthaft an eine Wiederauferstehung der guten alten europäischen Sozialdemokratie appelliert und als Gegner den Neoliberalismus ausmacht wie unlängst Paul Mason, sollte zeigen, dass er seinen Gegner zumindest ein wenig kennt. Mason geht davon aus, dass die Ideen des Neoliberalismus diskreditiert seien, benennt aber nicht, welche Ideen er meint. Er stützt sich auf einige Äußerungen vom österreichischen Kanzler Kern und auf den Aufstieg Corbyns, der Labour wieder auf traditionellen sozialdemokratischen Kurs zu bringen scheint. „Die perfide Doppelzüngigkeit des Neoliberalismus und die Sozialdemokratie“ weiterlesen

Jeremy Corbyns 10-Punkte-Programm

Viel wurde über den Machtkampf zwischen Jeremy Corbyn und seinen Kontrahenten aus dem Lager der ehemaligen Blair-Anhängerschaft berichtet, aber welche Ziele Corbyn verfolgt, kam dabei aus irgendwelchen Gründen nicht vor. Deswegen habe ich mir die Mühe gemacht, Corbyns 10-Punte-Programm vom August 2016, wie sie der Guardian wiedergibt, zu übersetzen. (Wer eine bessere Übersetzung anzubieten hat, kann sie gerne in den Kommentaren hinterlassen, ist nämlich nicht so einfach stichpunktartiges Englisch ins Deutsche zu übertragen, musste ich feststellen):

  • Vollbeschäftigung und eine Wirtschaft, die für alle arbeitet auf der Grundlage einer 500 Milliarden Pfund schweren öffentlichen Investition via einer geplanten öffentlichen Investitionsbank
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    Gedanken zu Lohnerhöhungen

    Lohnerhöhungen in Deutschland stellen aus der Sicht der nachfragetheoretischen Makroökonomie quasi das Allheilmittel dar, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa auszugleichen und zugleich die Angst vor technisch bedingter Arbeitslosigkeit als Propaganda zu entlarven. Selbst wenn man die Zweifel in Bezug auf technisch bedingte Arbeitslosigkeit, die sich schon einstellen, wenn man die automatischen Kassen in einem Premiumsupermarkt erblickt, für den Moment beiseite lässt, fällt doch auf, dass in den letzten Jahrzehnten eine gelinde ausgedrückt eher gegenläufige Wirtschaftspolitik betrieben wurde. Immer wieder wurde von Lohnzurückhaltung gesprochen, um den Aufschwung nicht zu gefährden. Ein großer Niedriglohnsektor wurde eingeführt, die Lohnnebenkosten gesenkt. Mit Hartz IV wurde ein Disziplinararrangement gegen die Arbeitslosen gefunden, das die diffuse Angst um den Arbeitsplatz zu einer der vorrangingen Sorgen vieler Menschen hierzulande hat werden lassen. „Gedanken zu Lohnerhöhungen“ weiterlesen

    Ökonomische Gedankenakrobatik zur Produktivität II

    Der Film Schichtwechsel, der gestern abend auf arte lief und noch in deren Mediathek sein sollte, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als Herr Wendl. Die Prognose zum Schluss des Films lautet, dass nur noch ein Drittel der Menschen global gesehen in nicht allzu ferner Zukunft einer Arbeit, wie sie heute üblich ist, nachgehen werden. In naher Zukunft könnten einer anderen im Film genannten Prognose zufolge 18 Millionen Jobs in Deutschland automatisiert werden. Der teilweise etwas konfuse Streifen charakterisiert den Begriff Industrie 4.0 so, dass mit der vierten industriellen Revolution grob die Vernetzung der Maschinen bzw. Roboter, das Internet der Dinge und die Digitalisierung von Büroarbeiten gemeint ist. Die deutsche Großindustrie hat den Begriff hierzulande in die Welt gesetzt, doch die Entwicklung in diese Richtung wird auch in anderen Ländern vorangetrieben. „Ökonomische Gedankenakrobatik zur Produktivität II“ weiterlesen

    Creative against the Machine?

    Ein Spiegel-Reporter berichtete kürzlich von den Forschungen großer Technologiefirmen wie Microsoft aus den USA. Die sich abzeichnenden Automatisierungspotentiale durch lernfähige Software scheinen riesig. Wenig beleuchtet wird allerdings, auf welche Bereiche sie sich auswirken werden, allenfalls ein Hinweis über die effizientere Bewässerung von Setzlingen lässt sich dem Text entnehmen. Jedenfalls scheint einer der Forscher überzeugt, dass der arbeitende Mensch von morgen stets werde beweisen müssen, warum seine Tätigkeit noch nicht automatisiert wurde. Da Anweisungen zu befolgen, von Maschinen in Zukunft besser erledigt werden könne als von Menschen, sieht sich der Mensch, wenn er nicht auf Almosen angewiesen sein will, dem Druck ausgesetzt immer kreativer bzw. einfallsreicher als die Maschinen zu sein. „Creative against the Machine?“ weiterlesen

    Unternehmen wollen Gewinne erzielen. – Nein? – Doch! – Oh…

    Jüngst wagten zwei Autoren vom Makroskop einen Blick in die Standardliteratur für BWL. Höchst erstaunt mussten sie feststellen, dass die handelsübliche Betriebswirtschaftslehre den Zweck eines Unternehmens darin sieht, dass ein Geldeinkommen erzielt wird. Anders als bei abhängig Beschäftigten nennt sich das erzielte Geldeinkommen im Fall eines Unternehmens Gewinn. Die beiden geben sich zutiefst erschüttert ob dieser schnöden so gar nicht humanistischen Maxime, sehen scheinbar eine Art Frevel darin, dass Wertschöpfung mit Geldeinkommens- bzw. Gewinnmaximierung in der Standardbetriebswirtschaftslehre identisch ist. „Unternehmen wollen Gewinne erzielen. – Nein? – Doch! – Oh…“ weiterlesen

    Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?

    In einem Interview sagt Moishe Postone, der zur sogenannten Wertkritik gezählt werden kann, dass für ihn der entscheidende Schritt in seiner Interpretation von Marx, der Gedanke gewesen sei, dass die Vergesellschaftung mittels des Wertes bzw. die Kategorie des Werts historisch spezifisch für den Kapitalismus sei. Man ist geneigt von einer Art Ontologie des Sozialen durch die Wertvergesellschaftung zu reden. In der Tat verabschiedet sich auch die Wertkritik in Person von Postone von der Idee des empirisch-wissenschaftlichen Nachweises der Arbeitswertlehre und sagt den Zusammenbruch des Kapitalismus ohne Zeitangabe voraus, ohne eine Heilswerwartung damit zu verknüpfen. Klassenkampf ist nicht mehr der Motor der Geschichte, und die Hoffnungen auf das Proletariat als zukünftiges revolutionäres Subjekt haben sich erledigt, allein das Wegbrechen der Wertsubstanz durch den immer geringeren Arbeitseinsatz pro Produkteinheit treibt das System dem Ende entgegen. „Wertkritik oder „Im Zeitalter des Werts” – und nun?“ weiterlesen

    Die „neue Linke”, Neoliberalismus und die invertierte Rückkehr der Ehre

    Bei gründlicher Überlegung zeigt sich, dass Forderungen nach negativen liberalen Freiheiten, Freiheiten von etwas, sich quasi auf alles beziehen können, was irgendein menschliches Wesen als störend oder beleidigend empfinden könnte. Auf dieser Spielwiese darf sich die neue Linke nach Herzenslust austoben und nutzt diesen Spielraum auch weidlich. Die Auswirkungen dieses bunten Treibens nehmen inzwischen groteske Züge an. Insbesondere die neue politische Korrektheit aus den Universitäten des angelsächsischen Raums gibt Anlass zu Stirnrunzeln, wenn etwa Triggerwarnungen bei der Shakespeare-Lektüre verlangt werden, die Nietzsche-Gesellschaft einer Uni verboten werden soll etc.. „Die „neue Linke”, Neoliberalismus und die invertierte Rückkehr der Ehre“ weiterlesen