Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert

Bemühte man sich Wortfelder zu Geld oder Wert zu erstellen, wäre es sehr wahrscheinlich, dass beide Begriffe darin jeweils auftauchten. Fragt man wieviel etwas wert ist, will man oft einen Preis genannt bekommen. Inflation wird meist so beschrieben, dass das Geld seinen Wert verlöre. Man redet von Vermögenswerten, geldwerten Leistungen etc.. Marxens Rede vom Gebrauchs- und Tauschwert der Waren ist daher intuitiv verständlich, ohne dass man sich das daraus entspinnende dialektische Begriffssytem kennen müsste bzw. vollumfänglich akzeptieren müsste. Oft geht es mir so, dass ich die Analysen an Marx geschulter Leute zu weiten Teilen plausibel finde, dafür aber nicht mehr oder weniger ausdrücklich die (Arbeits-)Wertlehre verteidigen würde. „Alltägliches und marxianisches zu Geld und Wert“ weiterlesen

Das System funktioniert nicht mehr – aber die Ideologie schon

Letztens lief über den Ticker, dass ein Umfrageinstitut in einer internationalen Befragung feststellte, dass die Mehrheit der Bevölkerungen des globalen Nordens, oder wie immer man das nennen will, dem System nicht mehr traut. Im Untertitel meint Rötzer – möglicherweise ironisch, dass wir aufgrund der Ergebnisse der Umfrage in vorrevolutionären Zeiten leben würden.

Trotz leichter Einbußen trauen die Leute den Unternehmen eher als Politik und Journaille, obwohl letztere meist zu den Unternehmen zu zählen ist. Die Auflösung der parlamentarischen Politik in betriebswirtschaftliche Logik bringt eine Situation hervor, in der die Leute scheinbar eine Sehnsucht nach Figuren bekommen, die auf den Tisch hauen und sagen, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Dem diffusen Unbehagen braucht man bloß mit ebenso diffusen Äußerungen zu begegnen, und schon kann man auf der politischen Bühne der Zuschauerdemokratie eine ganze Menge Menschen gewinnen. „Das System funktioniert nicht mehr – aber die Ideologie schon“ weiterlesen

Economics, Politische Ökonomie und kritische politökonomische Forschung

Der Begriff Economics erinnert im Englischen an Physics, was nicht von ungefähr kommt, neidete doch ein großer Teil der Ökonomen die Erfolge der Physik. Entsprechend machten sie sich am Ende des 19. Jahrhunderts daran die mathematische Exaktheit der Physik nachzuahmen, ohne jedoch jemals den Prognoseerfolg aufweisen zu können, den ihre naturwissenschaftlichen Kollegen immer wieder unter Beweis stellten. Daher drängt sich der Verdacht auf, dass Economics in konzeptionellen Schwierigkeiten steckt, die einen vergleichbaren Fortschritt wie in den Naturwissenschaften bislang verhinderten. Aufgrund gesellschaftlicher Umstände ficht dies die Reputation der im deutschsprachigen Raum Volkswirtschaftslehre genannten Disziplin jedoch kaum an, was sicher die ein oder andere soziologische Untersuchung verdient hätte. „Economics, Politische Ökonomie und kritische politökonomische Forschung“ weiterlesen

Die soziale Frage und identitätspolitische Polarisierungen

Wer gewisse Auswüchse linker subkultureller Entwicklungen der letzten Zeit (Gendersprech, Veganismus etc.) kritisch sieht, muss sich z.B. den Vorwurf gefallen lassen, man wolle zurück in die Adenauer-Ära. Oder wer den Veganismus als Askese und damit als religiöse Ersatzhandlung bezeichnet, wird gleich zum Nihilisten ohne moralischen Kompass. Dass die demonstrative Zurschaustellung eigener moralischer Überlegenheit die Wahrnehmung davon prägt, was die sogenannte radikale Linke in deutschen Landen noch an erkennbaren Inhalten zu bieten hat, bleibt vielen linken Grüppchen hierzulande anscheinend verborgen. Abgeschottet in der eigenen Echokammer findet keine Auseinandersetzung mehr um die Inhalte statt, kann Kritik daran nur von dummen, bösartigen Menschen kommen, die ihre Privilegien nicht ausreichend überprüft haben. „Die soziale Frage und identitätspolitische Polarisierungen“ weiterlesen

Nicht immer die richtige Wahl: Herablassung gegenüber Rechten

Nach zwei medialen Begegnungen mit AfD-Mitgliedern, die nicht auf den Kopf gefallen zu sein scheinen, die jedoch während dieser Begegnungen ihre Beweggründe, sich dieser nationalistischen Partei anzuschließen, (formatbedingt) nicht darlegten, treiben mich genau diese Beweggründe um. Obwohl die Gleichung „AfD = Partei rechter dummer Menschen” nach der Abspaltung des professoralen Flügels um Lucke eine gewisse Plausibilität gewonnen haben mag, wird diese allgemeine Aussage durch diese beiden Gegenbeispiele widerlegt, die ich kurz darstellen möchte. (Wer genaueres erfahren möchte, kann auf die Links klicken.) „Nicht immer die richtige Wahl: Herablassung gegenüber Rechten“ weiterlesen

Et Merkel macht weiter…

Die Jubelmeldungen der Medienlandschaft überschlugen sich geradezu, nachdem nun bekannt geworden ist, dass die Alternativlose für eine weitere Amtszeit kandidiert. 55 % der Bevölkerung begrüßen dies laut einer jüngeren Umfrage, die gestern im Radio verlautbart wurde, und man fragt sich, was diese 55 % denn politisch bzw. inhaltlich daran begrüßen. Vermutlich wüssten die Leute darauf so schnell keine Antwort. Die konservative Klientel jedoch ist – wie das Wort schon sagt – primär daran interessiert, dass sich nichts für sie ändert. Dieses Gefühl vermittelt Merkel mit allen Kniffen der Public Relations, die nötig waren, um dieses als ihr Image aufzubauen. Alle innerparteilichen Konkurrentinnen hat Merkel derweil kalt gestellt, wie Helmut Kohl es ihr vormachte. „Et Merkel macht weiter…“ weiterlesen

Erklärungsversuche für das Wahlverhalten der (frz.) Arbeiterklasse

Bei Burks Blog tauchte jüngst die Behauptung von Eribon auf, dass die französische Arbeiterklasse rechts wähle, weil der Front National als einziger den medialen Konsens aufkündige, dass der Kapitalismus für alle gut sei, während sie früher die kommunistische Partei wählte. Daran lässt sich wunderbar anschließen, dass jedes Abdriften der Unterschichten nach rechts, auf das Versagen der „Linken” zurückzuführen sei, um ein anscheinend beliebtes linkes Theorieversatzstück anzuführen. Der dagegen vorgebrachte Einwand zielt darauf ab, dass die Arbeiterklasse rechts wählt, um sich der drohenden Konkurrenz durch die Einwanderung zu erwehren und ihr Stück vom volkswirtschaftlichen Kuchen abzubekommen, das ihnen aus ihrer Sicht gewissermaßen qua Abstammung zustehe. „Erklärungsversuche für das Wahlverhalten der (frz.) Arbeiterklasse“ weiterlesen

Und das kleinere Übel ist…

…Donald Trump. Diese Meinung vertreten die Amis in der Mehrzahl. Das internationale Polit- und Medien-Establishment zeigte sich anscheinend vornehmlich geschockt, während eine Stimme meinte, Trump werde dem Charme unserer Kanzlerin erliegen. Was diese Stimme unter Charme versteht, blieb danach für mich ein Rätsel, auf dessen Lösung ich jedoch keine Zeit verschwenden will. Seltsam finde ich außerdem die Hinweise auf die mangelnde Erfahrung Trumps in der Politik, weil er genau darum gewählt wurde, d.h., weil er nicht aus dem washingtoner Elitenzirkel stammt. Auch dass meines Wissens noch niemandem hierzulande die Parallelen zu Silvio Berlusconi in den Sinn gekommen ist, wundert mich etwas. „Und das kleinere Übel ist…“ weiterlesen

Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft

Realisierbar und realistisch in der Marktwirtschaft ist, was Unternehmen möglichst hohe Gewinne in der Zukunft ermöglicht bzw. zu ermöglichen verspricht. Erwartungen spielen deswegen in den veröffentlichten Wirtschaftsnachrichten eine Hauptrolle. Die neoliberale Glaubensgemeinschaft ist übrigens der geradezu religiösen Überzeugung, dass diese marktwirtschaftlich gebildeten Erwartungen den unhinterfragbaren Ratschluss des Marktes darstellen, dem sich die Individuen zu unterwerfen hätten, um nicht in der sozialistischen Mangelwirtschaft zu landen. Die Erwartungen mögen bisweilen nicht in Erfüllung gehen, dann haben diejenigen Pech gehabt, die darunter zu leiden haben. So funktioniert nunmal die Evolution. Basta. Auf dieser Ebene ist der Neoliberalismus nicht angreifbar. „Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft“ weiterlesen

Zur Einstellung der jungen Beschäftigten in Deutschland

Manchmal schnappt man aus dem öffentlichen Rundfunk etwas auf und weiß nicht mehr genau, wann und wo es gesendet wurde. Jedenfalls begab es sich vor ein paar Tagen, dass die Meldung die Runde machte, dass die jungen Beschäftigten hierzulande mehrheitlich eine nüchterne Einstellung zu ihrem Job haben: Sie gehen zur Arbeit, weil sie dafür bezahlt werden. Na da schau her, Geld ist die Hauptmotivation für die Arbeit nicht die „Selbstverwirklichung” und der Spass an der Tätigkeit.
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