Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft

Realisierbar und realistisch in der Marktwirtschaft ist, was Unternehmen möglichst hohe Gewinne in der Zukunft ermöglicht bzw. zu ermöglichen verspricht. Erwartungen spielen deswegen in den veröffentlichten Wirtschaftsnachrichten eine Hauptrolle. Die neoliberale Glaubensgemeinschaft ist übrigens der geradezu religiösen Überzeugung, dass diese marktwirtschaftlich gebildeten Erwartungen den unhinterfragbaren Ratschluss des Marktes darstellen, dem sich die Individuen zu unterwerfen hätten, um nicht in der sozialistischen Mangelwirtschaft zu landen. Die Erwartungen mögen bisweilen nicht in Erfüllung gehen, dann haben diejenigen Pech gehabt, die darunter zu leiden haben. So funktioniert nunmal die Evolution. Basta. Auf dieser Ebene ist der Neoliberalismus nicht angreifbar. „Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft“ weiterlesen

Zur Einstellung der jungen Beschäftigten in Deutschland

Manchmal schnappt man aus dem öffentlichen Rundfunk etwas auf und weiß nicht mehr genau, wann und wo es gesendet wurde. Jedenfalls begab es sich vor ein paar Tagen, dass die Meldung die Runde machte, dass die jungen Beschäftigten hierzulande mehrheitlich eine nüchterne Einstellung zu ihrem Job haben: Sie gehen zur Arbeit, weil sie dafür bezahlt werden. Na da schau her, Geld ist die Hauptmotivation für die Arbeit nicht die „Selbstverwirklichung” und der Spass an der Tätigkeit.
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Die perfide Doppelzüngigkeit des Neoliberalismus und die Sozialdemokratie

Wer ernsthaft an eine Wiederauferstehung der guten alten europäischen Sozialdemokratie appelliert und als Gegner den Neoliberalismus ausmacht wie unlängst Paul Mason, sollte zeigen, dass er seinen Gegner zumindest ein wenig kennt. Mason geht davon aus, dass die Ideen des Neoliberalismus diskreditiert seien, benennt aber nicht, welche Ideen er meint. Er stützt sich auf einige Äußerungen vom österreichischen Kanzler Kern und auf den Aufstieg Corbyns, der Labour wieder auf traditionellen sozialdemokratischen Kurs zu bringen scheint. „Die perfide Doppelzüngigkeit des Neoliberalismus und die Sozialdemokratie“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II

Fragt man sich nach den Bedingungen dafür, warum das kapitalistische Realitätsprinzip so allgemein akzeptiert ist, rückt beinahe unweigerlich die Konkurrenz als eine wesentliche ins Blickfeld. Gibt es ausreichend viele Anbieter auf einem Markt, bewirkt die Konkurrenz in der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts, dass sich ein einziger Preis auf dem Markt einstellt, was wahlweise als vollkommene oder atomistische Konkurrenz bezeichnet wird. Spätestens mit dem Beginn der industriellen Revolution darf man jedoch davon ausgehen, dass Unternehmen in ihre Produktionstechnik investieren, um zu geringeren Kosten produzieren zu können als die Konkurrenten, wodurch sie einen Extraprofit erzielen können, indem sie eine zeitlang den marktüblichen Preis verlangen. Diesen Extraprofit können sie wiederum für neue Investitionen in die Produktionstechnik nutzen. Nach und nach werden die produktionstechnisch Führenden höchstwahrscheinlich die Preise senken, um Marktanteile zu gewinnen. Die Preissenkung setzt die anderen Anbieter unter Druck, die eigene Produktionstechnik zu erneuern. Sonst werden sie auf die eine oder andere Art vom Markt gedrängt bspw. durch Aufkauf oder Geschäftsaufgabe. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II“ weiterlesen

Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I

Während ein paar unentwegte Fans der untergegangenen Sozialdemokratie der 1960er und 1970er Jahre alle paar Wochen Aufrufe zur Neugründung verfassen, siehe z.B hier, verblassen die Fragen nach einer adäquaten Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Dynamik, die die Politik inzwischen ganz der neoliberalen Theorie gemäß im Schlepptau hinter sich her zieht.

Aus Geld mehr Geld zu machen, kann getrost als Motor der wirtschaftlichen Dynamik angesehen werden, wie sie in der Kurzfassung G-W-G‘ bzw. G-G‘ bei Marx zum Ausdruck kommt. Trotz dieses Rückgriffs auf Marx kann man sich von der Arbeitswertlehre lösen beginnend mit der Überlegung, dass es Geldverwendung schon lange vor dem Kapitalismus gab, und ein ausgebildetes Geldwesen eine zentrale Voraussetzung für die Entstehung desselben gewesen sein dürfte. Anhänger der Marxschen Theorie mögen derweil ihren Aufschrei unterdrücken und einfach einen anderen Gedankengang zulassen. „Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik I“ weiterlesen

Jeremy Corbyns 10-Punkte-Programm

Viel wurde über den Machtkampf zwischen Jeremy Corbyn und seinen Kontrahenten aus dem Lager der ehemaligen Blair-Anhängerschaft berichtet, aber welche Ziele Corbyn verfolgt, kam dabei aus irgendwelchen Gründen nicht vor. Deswegen habe ich mir die Mühe gemacht, Corbyns 10-Punte-Programm vom August 2016, wie sie der Guardian wiedergibt, zu übersetzen. (Wer eine bessere Übersetzung anzubieten hat, kann sie gerne in den Kommentaren hinterlassen, ist nämlich nicht so einfach stichpunktartiges Englisch ins Deutsche zu übertragen, musste ich feststellen):

  • Vollbeschäftigung und eine Wirtschaft, die für alle arbeitet auf der Grundlage einer 500 Milliarden Pfund schweren öffentlichen Investition via einer geplanten öffentlichen Investitionsbank
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    Zu den Kernthesen der Wertkritik

    Beim umhersurfen stieß ich auf zwei wertkritische Texte, die die Kerngedanken dieser Richtung der neuen Marxlektüre besser herauszubringen scheinen, als mir dies bisher unterkam. Zum einen wäre da Kurzens Beitrag von 1995, der mir auch deswegen kommentierenswert erscheint, weil der Text auch von 2016 datieren könnte, würde man die aktuellen Zeitbezüge daraus durch heutige ersetzen. „Zu den Kernthesen der Wertkritik“ weiterlesen

    Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik

    Nicht eben selten trifft man auf die Vorstellung die neoklassische Ökonomik sei im Prinzip identisch mit dem Neoliberalismus bzw. der neoliberalen Ideologie. Gar so einfach verhält es sich jedoch nicht. Die Neoklassik ist gekennzeichnet durch die Übernahme mathematischer Methoden aus der Physik des späten 19. Jahrhunderts, um die Wirtschaftswissenschaften auf das Niveau einer Naturwissenschaft zu heben. Im Zweig der Mikroökonomik wird man als Student der Wirtschaftswissenschaften nicht umhin können, die Grundzüge der Neoklassik, wie sie Walras und andere in der betreffenden Zeit ausarbeiteten, kennenzulernen. Später entwickelten Arrow und Debreu das bis heute akzeptierte Totalmodell einer Volkswirtschaft, das die Beschränkungen seiner Vorgänger mit Hilfe neuer mathematisch-logischer Verfahren aufheben konnte, dabei auf der Ebene der reinen Theorie angesiedelt ist. Als soziologisch wichtige Beobachtung gilt es dabei zu vermerken, dass die wenigsten Studierenden des Faches das mathematische Handwerkszeug hätten, um die Mathematik dahinter zu verstehen. Die Ausnahme bilden meist ehemalige Physikstudenten, die feststellten, dass es mit wissenschaftlichen Karriere in der Physik für sie wohl nichts werden wird und es mal bei einem VWL-Lehrstuhl probieren. „Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik“ weiterlesen

    Gedanken zu Lohnerhöhungen

    Lohnerhöhungen in Deutschland stellen aus der Sicht der nachfragetheoretischen Makroökonomie quasi das Allheilmittel dar, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa auszugleichen und zugleich die Angst vor technisch bedingter Arbeitslosigkeit als Propaganda zu entlarven. Selbst wenn man die Zweifel in Bezug auf technisch bedingte Arbeitslosigkeit, die sich schon einstellen, wenn man die automatischen Kassen in einem Premiumsupermarkt erblickt, für den Moment beiseite lässt, fällt doch auf, dass in den letzten Jahrzehnten eine gelinde ausgedrückt eher gegenläufige Wirtschaftspolitik betrieben wurde. Immer wieder wurde von Lohnzurückhaltung gesprochen, um den Aufschwung nicht zu gefährden. Ein großer Niedriglohnsektor wurde eingeführt, die Lohnnebenkosten gesenkt. Mit Hartz IV wurde ein Disziplinararrangement gegen die Arbeitslosen gefunden, das die diffuse Angst um den Arbeitsplatz zu einer der vorrangingen Sorgen vieler Menschen hierzulande hat werden lassen. „Gedanken zu Lohnerhöhungen“ weiterlesen

    Ökonomische Gedankenakrobatik zur Produktivität II

    Der Film Schichtwechsel, der gestern abend auf arte lief und noch in deren Mediathek sein sollte, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als Herr Wendl. Die Prognose zum Schluss des Films lautet, dass nur noch ein Drittel der Menschen global gesehen in nicht allzu ferner Zukunft einer Arbeit, wie sie heute üblich ist, nachgehen werden. In naher Zukunft könnten einer anderen im Film genannten Prognose zufolge 18 Millionen Jobs in Deutschland automatisiert werden. Der teilweise etwas konfuse Streifen charakterisiert den Begriff Industrie 4.0 so, dass mit der vierten industriellen Revolution grob die Vernetzung der Maschinen bzw. Roboter, das Internet der Dinge und die Digitalisierung von Büroarbeiten gemeint ist. Die deutsche Großindustrie hat den Begriff hierzulande in die Welt gesetzt, doch die Entwicklung in diese Richtung wird auch in anderen Ländern vorangetrieben. „Ökonomische Gedankenakrobatik zur Produktivität II“ weiterlesen