Ernüchterndes über Nuit debout

Die spärliche Berichterstattung über die jüngste Platzbesetzungsbewegung Nuit debout in Europa, deren Schauplatz Frankreich war, hatte mich zu der Fehleinschätzung verleitet, dass sich Nuit debout mit den Gewerkschaften zusammen gegen Hartz-IV à la française verbünden würde. Leider stimmten die Voraussagen derjenigen, dass sich die Bewegung mit Beginn der frz. Sommerferien verlaufen würde. „Ernüchterndes über Nuit debout“ weiterlesen

Economics, Politische Ökonomie und kritische politökonomische Forschung

Der Begriff Economics erinnert im Englischen an Physics, was nicht von ungefähr kommt, neidete doch ein großer Teil der Ökonomen die Erfolge der Physik. Entsprechend machten sie sich am Ende des 19. Jahrhunderts daran die mathematische Exaktheit der Physik nachzuahmen, ohne jedoch jemals den Prognoseerfolg aufweisen zu können, den ihre naturwissenschaftlichen Kollegen immer wieder unter Beweis stellten. Daher drängt sich der Verdacht auf, dass Economics in konzeptionellen Schwierigkeiten steckt, die einen vergleichbaren Fortschritt wie in den Naturwissenschaften bislang verhinderten. Aufgrund gesellschaftlicher Umstände ficht dies die Reputation der im deutschsprachigen Raum Volkswirtschaftslehre genannten Disziplin jedoch kaum an, was sicher die ein oder andere soziologische Untersuchung verdient hätte. „Economics, Politische Ökonomie und kritische politökonomische Forschung“ weiterlesen

Die soziale Frage und identitätspolitische Polarisierungen

Wer gewisse Auswüchse linker subkultureller Entwicklungen der letzten Zeit (Gendersprech, Veganismus etc.) kritisch sieht, muss sich z.B. den Vorwurf gefallen lassen, man wolle zurück in die Adenauer-Ära. Oder wer den Veganismus als Askese und damit als religiöse Ersatzhandlung bezeichnet, wird gleich zum Nihilisten ohne moralischen Kompass. Dass die demonstrative Zurschaustellung eigener moralischer Überlegenheit die Wahrnehmung davon prägt, was die sogenannte radikale Linke in deutschen Landen noch an erkennbaren Inhalten zu bieten hat, bleibt vielen linken Grüppchen hierzulande anscheinend verborgen. Abgeschottet in der eigenen Echokammer findet keine Auseinandersetzung mehr um die Inhalte statt, kann Kritik daran nur von dummen, bösartigen Menschen kommen, die ihre Privilegien nicht ausreichend überprüft haben. „Die soziale Frage und identitätspolitische Polarisierungen“ weiterlesen

Nicht immer die richtige Wahl: Herablassung gegenüber Rechten

Nach zwei medialen Begegnungen mit AfD-Mitgliedern, die nicht auf den Kopf gefallen zu sein scheinen, die jedoch während dieser Begegnungen ihre Beweggründe, sich dieser nationalistischen Partei anzuschließen, (formatbedingt) nicht darlegten, treiben mich genau diese Beweggründe um. Obwohl die Gleichung „AfD = Partei rechter dummer Menschen” nach der Abspaltung des professoralen Flügels um Lucke eine gewisse Plausibilität gewonnen haben mag, wird diese allgemeine Aussage durch diese beiden Gegenbeispiele widerlegt, die ich kurz darstellen möchte. (Wer genaueres erfahren möchte, kann auf die Links klicken.) „Nicht immer die richtige Wahl: Herablassung gegenüber Rechten“ weiterlesen

Alternativlose Globalisierung

Durch Zufall lieferte mir der Blick auf die Unterseiten von Spielzeugautos aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren einen Einblick in die Umsetzung des T.I.N.A.-Prinzips (There is no alternative.) am Beginn der neoliberalen Wende. Stand auf den älteren Modellen noch „Made in the UK” oder „Made in Western Germany”, las man auf den jüngeren Modellen sowohl britischer wie deutscher Hersteller „Made in Taiwan”. Alternativlos wurde die Produktion von Spielzeugautos nach Taiwan verlagert, damit sich die Leistung eine Spielzeugfirma zu besitzen, wieder lohnte. Vorher waren diese Leute bestimmt bettelarm….

Die Kräfte des Marktes sorgten für diese Veränderungen, gegen die man sich nach der seither herrschenden Ideologie nicht wehren kann, weil es genauso lächerlich wäre, wie sich gegen das Wetter aufzulehnen. Wenn davon die Rede ist, dass den Menschen in den Industrieländern mit der Globalisierung etwas versprochen worden sei, dann war die Alternativlosigkeit der Globalisierung ein mindestens ebenso wichtiges Argument. In der 38sten Folge von Alternativlos werden die Wahlsiege von rechten Parteien u.a. darauf zurückgeführt, dass die Mehrheit der Leute sich von den Versprechungen der Globalisierung enttäuscht sah. „Alternativlose Globalisierung“ weiterlesen

Untergang des Kapitalismus aus kapitalismusfreundlicher Sicht

Die nachfragetheoretischen Freunde des Kapitalismus sehen das gegenwärtige System auf den Abgrund zusteuern, weil Staat, Haushalte und Unternehmen nicht zugleich sparen können, die Banken daher keine neuen Schuldner mehr finden. Augenscheinlich funktioniert diese Politik in Deutschland bestens, nirgends ist davon zu lesen, dass es Proteste gegen die Schuldenbremsen geben würde. Vielmehr taumeln die Menschen wie bewusstlos durch die individualisierte Konsumwelt, was sie sich nach langer Arbeit verdient zu haben glauben, um schließlich mit hirnlosem Medienkonsum bereit für den nächsten Arbeitstag ins Bett zu fallen. Dieser eher traurige Befund würde Nachfragetheoretikerinnen gar nicht einmal stören, würden die Leute nur mehr konsumieren können, das Paradies wäre zum Greifen nahe. „Untergang des Kapitalismus aus kapitalismusfreundlicher Sicht“ weiterlesen

Et Merkel macht weiter…

Die Jubelmeldungen der Medienlandschaft überschlugen sich geradezu, nachdem nun bekannt geworden ist, dass die Alternativlose für eine weitere Amtszeit kandidiert. 55 % der Bevölkerung begrüßen dies laut einer jüngeren Umfrage, die gestern im Radio verlautbart wurde, und man fragt sich, was diese 55 % denn politisch bzw. inhaltlich daran begrüßen. Vermutlich wüssten die Leute darauf so schnell keine Antwort. Die konservative Klientel jedoch ist – wie das Wort schon sagt – primär daran interessiert, dass sich nichts für sie ändert. Dieses Gefühl vermittelt Merkel mit allen Kniffen der Public Relations, die nötig waren, um dieses als ihr Image aufzubauen. Alle innerparteilichen Konkurrentinnen hat Merkel derweil kalt gestellt, wie Helmut Kohl es ihr vormachte. „Et Merkel macht weiter…“ weiterlesen

Erklärungsversuche für das Wahlverhalten der (frz.) Arbeiterklasse

Bei Burks Blog tauchte jüngst die Behauptung von Eribon auf, dass die französische Arbeiterklasse rechts wähle, weil der Front National als einziger den medialen Konsens aufkündige, dass der Kapitalismus für alle gut sei, während sie früher die kommunistische Partei wählte. Daran lässt sich wunderbar anschließen, dass jedes Abdriften der Unterschichten nach rechts, auf das Versagen der „Linken” zurückzuführen sei, um ein anscheinend beliebtes linkes Theorieversatzstück anzuführen. Der dagegen vorgebrachte Einwand zielt darauf ab, dass die Arbeiterklasse rechts wählt, um sich der drohenden Konkurrenz durch die Einwanderung zu erwehren und ihr Stück vom volkswirtschaftlichen Kuchen abzubekommen, das ihnen aus ihrer Sicht gewissermaßen qua Abstammung zustehe. „Erklärungsversuche für das Wahlverhalten der (frz.) Arbeiterklasse“ weiterlesen

Und das kleinere Übel ist…

…Donald Trump. Diese Meinung vertreten die Amis in der Mehrzahl. Das internationale Polit- und Medien-Establishment zeigte sich anscheinend vornehmlich geschockt, während eine Stimme meinte, Trump werde dem Charme unserer Kanzlerin erliegen. Was diese Stimme unter Charme versteht, blieb danach für mich ein Rätsel, auf dessen Lösung ich jedoch keine Zeit verschwenden will. Seltsam finde ich außerdem die Hinweise auf die mangelnde Erfahrung Trumps in der Politik, weil er genau darum gewählt wurde, d.h., weil er nicht aus dem washingtoner Elitenzirkel stammt. Auch dass meines Wissens noch niemandem hierzulande die Parallelen zu Silvio Berlusconi in den Sinn gekommen ist, wundert mich etwas. „Und das kleinere Übel ist…“ weiterlesen

Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft

Realisierbar und realistisch in der Marktwirtschaft ist, was Unternehmen möglichst hohe Gewinne in der Zukunft ermöglicht bzw. zu ermöglichen verspricht. Erwartungen spielen deswegen in den veröffentlichten Wirtschaftsnachrichten eine Hauptrolle. Die neoliberale Glaubensgemeinschaft ist übrigens der geradezu religiösen Überzeugung, dass diese marktwirtschaftlich gebildeten Erwartungen den unhinterfragbaren Ratschluss des Marktes darstellen, dem sich die Individuen zu unterwerfen hätten, um nicht in der sozialistischen Mangelwirtschaft zu landen. Die Erwartungen mögen bisweilen nicht in Erfüllung gehen, dann haben diejenigen Pech gehabt, die darunter zu leiden haben. So funktioniert nunmal die Evolution. Basta. Auf dieser Ebene ist der Neoliberalismus nicht angreifbar. „Spekulation oder die Monetarisierung der Zukunft“ weiterlesen