Geldlose Wirtschaft als Ziel

Eine Variante der Zukunftsvorstellungen im linken Spektrum scheint zu sein, dass der Kapitalismus nur überwunden sein wird, wenn es kein Geld, keinen Äquivalententausch mehr gebe, vgl. Kommentare unter diesem Beitrag. Führte man etwa ein Arbeitsstundenzettelsystem ein, um Ansprüche auf Produkte geltend zu machen, wäre man schnell wieder bei „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“. Fällt das Geld weg, könnte dazu übergegangen werden, direkt Gebrauchswerte zu produzieren. Insofern ist diese These durchaus konsequent. Bei feynsinn wird sie vehement verteidigt, was mitunter zu Missverständnissen führt, wenn neue Kommentatorinnen nicht völlig von einer geldlosen Wirtschaft überzeugt sind.

Nach meinem Dafürhalten wäre ein geldloses Wirtschaften als Ziel anzusehen, das nicht von jetzt auf gleich zu erreichen wäre. Unser ganzes gesellschaftliches Leben ist seit sehr langer Zeit auf Geld ausgerichtet; die Menschen sind quasi zu Geldsubjekten geworden, Kauf und Verkauf erscheinen komplett natürlich, so dass es eventuell ratsam wäre, die Überwindung der Geldwirtschaft schrittweise anzugehen. Die heutigen Produktionsmaschinen würden auch ohne Geld funktionieren, daran besteht kein Zweifel. In einem Stahlwerk etwa wird kein Geld verfeuert. Allein, die Produktion und die Verteilung der Produkte müsste geldlos auch irgendwie bewerkstelligt werden, was bestimmt nicht einfach sein dürfte, aber sicher nicht unmöglich ist. Wie man aber dahin käme, kann niemand so genau sagen außer wahrscheinlich manche Traditionsmarxisten.

Traditionsmarxistische Weltrevolution – sicher?


Klar, nach dem Traditionsmarxismus kommt irgendwann die soziale Weltrevolution, die die internationale Arbeiterklasse auszuführen hätte. Auf die sich daran direkt anschließende Frage, wie und wann die besagte Klasse ihrer Revolutionsaufgabe nachkommen soll, weiß dann auch wieder kein Mensch eine Antwort, womit man wieder beim Ausgangspunkt angekommen ist. Die Arbeiterklasse mag als analytischer bzw. soziologischer Terminus seine Gültigkeit haben, wenn man damit einfach Menschen nach Produktionsmittelbesitz statistisch einteilt. Nach Marx und seinen Gefolgsleuten zählen aber nur Produktionsarbeitskräfte dazu, was entsprechend schwerer zu quantifizieren ist. Egal welche Einteilung man wählt, sie sagt nichts darüber aus, inwieweit sich Menschen für Politik geschweige denn sozialrevolutionäre Politik interessieren. Meiner Erfahrung nach sind die meisten Menschen hierzulande zutiefst unpolitisch ganz unabhängig von ihrer Klassenzugehörigkeit.

Dagegen sein ohne Klassenkampf geht auch


Aus diesen Gründen würde ich dafür plädieren, sich vom Klassenkampffetisch zu lösen, wenn man einen Weg heraus aus dem Kapitalismus suchen will. Die Opposition zum Kapitalismus ist in den Industrieländern sehr schwach. Ob sie an der Peripherie wirklich stärker ausgeprägt ist, vermag ich nicht zu sagen. Wie aber unendliches Wachstum in einer endlichen Welt zusammengehen soll, vermögen die Apologeten des Systems auch nicht zu sagen. Was so unendlich geil an einer aufgezwungenen Krämerseelenexistenz ist, lässt sich aus der extremen Mitte heraus auch nur sehr schwer beantworten. Mit anderen Worten, es gibt Möglichkeiten die bestehenden Verhältnisse abseits marxistischer Glaubensbekenntnisse zu kritisieren, die den Vorteil haben, nicht irgendeiner Menschengruppe eine historische Mission zuzuschreiben.

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