Konsumverzicht als Lösung?

In den Weiten des Netzes taucht in Bezug auf Umweltschutz oder neuerdings Klimaschutz der Vorwurf der Inkonsequenz gegenüber den protestierenden Schülerinnen und Schülern bei den Fridays for Future auf, die fast alle ein Smartphone in der Tasche hätten usw.. Wäre aber mit Hilfe individuellen Konsumverzichts das Problem zu lösen? Sicher, wenn alle morgen ihr Auto stehen ließen, nicht mehr zur Arbeit führen und stattdessen – sagen wir – eine Bodenreform durch Landbesetzung erzwängen, sähe die Welt freilich schon anders aus, denn dann hätte der jeweils individuelle Konsumverzicht eine kollektive politische Wirkung. Unter den aktuellen gesellschaftlichen Umständen wird die Forderung nach Konsumverzicht eher so aussehen, dass ein paar Menschen mit dem nötigen Kleingeld auf bestimmte Produkte verzichten, ohne dass ihre Ökobilanz damit zwingend besser wäre, als wenn sie das nötige Kleingeld eben nicht hätten. „Konsumverzicht als Lösung?“ weiterlesen

Geldlose Wirtschaft als Ziel

Eine Variante der Zukunftsvorstellungen im linken Spektrum scheint zu sein, dass der Kapitalismus nur überwunden sein wird, wenn es kein Geld, keinen Äquivalententausch mehr gebe, vgl. Kommentare unter diesem Beitrag. Führte man etwa ein Arbeitsstundenzettelsystem ein, um Ansprüche auf Produkte geltend zu machen, wäre man schnell wieder bei „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“. Fällt das Geld weg, könnte dazu übergegangen werden, direkt Gebrauchswerte zu produzieren. Insofern ist diese These durchaus konsequent. Bei feynsinn wird sie vehement verteidigt, was mitunter zu Missverständnissen führt, wenn neue Kommentatorinnen nicht völlig von einer geldlosen Wirtschaft überzeugt sind.
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Wert, Marx und die Krux der Interpretation

Nachdem ich mir einen Vortrag von Michael Heinrich angehört habe, gelange ich mehr und mehr zu der Auffassung, dass es diametral entgegengesetzte Interpretationen von Marx gibt. Heinrich weist gleich am Anfang darauf hin, dass Marx quasi dem lebenslangen Lernen verpflichtet gewesen sei und man als heutiger Leser dazu aufgerufen sei, seine „Lernkurve“ nachzuvollziehen. Es ist zwar gängig die Schriften des jungen Marx von denen des reifen, wozu insbesondere Das Kapital zählt, zu unterscheiden, doch Heinrich geht weiter. Für ihn ist jede Änderung zwischen den Auflagen des Kapitals bei zentralen Begriffen bedeutsam. So sei es wichtig, dass Wert in der ersten Auflage metaphorisch als Gedankending beschrieben wird und in der zweiten als gespenstische Gegenständlichkeit. Auch habe Marx nie von Arbeitswerttheorie gesprochen sondern von Werttheorie, weil er die ökonomische Klassik kritisieren wollte. „Wert, Marx und die Krux der Interpretation“ weiterlesen