Widerstand erfolgreich: Flughafenbau in Notre-Dame-des-Landes gestoppt. Und nun?

Bei aller Sympathie für den Widerstand gegen ein schwachsinniges Infrastrukturprojekt wie den Flughafenbau in Notre-Dame-des-Landes bei Nantes zeigen sich einmal mehr die Grenzen von Widerständen als politischer Methode, denn das Macron-Regime hat den Plan anscheinend nach Jahrzehnten ganz lapidar zu den Akten gelegt. Im Lauf der Zeit entstanden in der Zone à défendre bzw. Zone d’Aménagement Différé (Zad) einige „ökolinke“ Projekte, deren Bestand inzwischen gefährdet ist, seit die erste Ursache für ihr Bestehen weggefallen ist. Einige der sogenannten Zadisten wehren sich gegen eine individualisierte prekäre Aufenthaltsgenehmigung einzelner Projekte und wünschen eine kollektive Genehmigung für die gesamte Zad.

An diesem Punkt sind die Verhandlungen ins Stocken geraten sowie Aufräumarbeiten rund um die sog. „Rue de Chicanes“, einer schmalen Landstraße, die das Gebiet von Nord nach Süd durchzieht. Die Straße war zuvor seitens der Zadisten mit Schikanen versehen worden, um Überraschungsangriffe der Ordnungskräfte zu erschweren. Nun sieht es so aus, dass der Staat die Zad komplett räumen lassen könnte. Nach Darstellung der Aktivistin Françoise Verchere, die schon ziemlich lange mit von der Partie ist, war das Angebot der Präfektur von Nantes, individualisierte Aufenthaltsgenehmigungen zu erteilen gar nicht einmal so schlimm, hätte man doch trotz allem eine Alternativstruktur aufrechterhalten und eventuell ausweiten können.

Die Zad gilt wohl vielen innerhalb der radikalen frz. Linken als Symbol für die Convergence des Luttes, was sich in etwa mit dem Zusammenlaufen der Kämpfe übersetzen ließe. Leider ist es meines Erachtens schwierig, von einem sinnvollen punktuellen Widerstand ein politisches Gesamtvorhaben zu entwickeln und vor allem zu vermitteln. In Jahrzehnten der Widerstandspraxis werden die Zadisten zwar mit Sicherheit ihr Tun in einen breiteren politischen Rahmen eingebettet haben. Dennoch kommt es mir so vor, als habe der frz. Staat unter Macron einen geschickten Schachzug unternommen, indem er urplötzlich die Kraft des Widerstandes ins Leere laufen ließ. Nun kann er die militanten Zadisten nach und nach massenmedial vernichten und sie aus der Zone vertreiben, weil sie ihrer Raison d’être verlustig gegangen sind.

Wenn man eine Zone d’Aménagement Différé, was ich jetzt mal als eine Art ökolinke Experimentierzone auffasse, aufbauen will, müsste das Konzept so attraktiv sein, dass man unabhängig von Widerständen Menschen dafür gewinnen kann. Sich an die Agenda der mächtigen Kapitalinteressen zu hängen, wird im Hinblick auf eine längerfristige Strategie gegen den Kapitalismus nicht zielführend sein, fürchte ich. Leider scheint der Horizont vieler ökolinker Aktivisten nicht weit genug zu sein, strategischen Erwägungen genügend Raum zu geben. Gerade der Angriff auf eines der bekanntesten Kollektive bzw. Projekte, 100-Noms (100 Namen), war womöglich kein Fehler des Staates sondern ein gezielter Schlag, um mehr Menschen der radikalen Linken in die Falle laufen lassen zu können, die jetzt dorthin gezogen sind, um weiter Widerstand zu leisten. Verchere zufolge meinen einige Militante, der Sieg über den Flughafen sei zugleich der Beginn der Revolution, obgleich die sozialen Kräfteverhältnisse für den nüchternen Beobachter diesen Befund trotz aller Streiks im frz. öffentlichen Dienst noch lange nicht hergeben.

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