Polittalk auf Phönix oder: Macht Klimaschutz genug Arbeit?

Der regelmäßige Polittalk auf Phönix mit dem Namen „Unter den Linden“ drehte sich letztens – kurz vor dem internationalen Gipfeltreffen zum selben Thema in Bonn – um die Klimapolitik. Parteipolitisch bestand die Besetzung aus einer Grünenpolitikerin und einem FDP Politiker. Der ständig seine Ideologiefreiheit betonende Liberale verteidigte die Arbeitsplätze in der Industrie, die Grüne versuchte dagegen mit den Fortschritten in der klimaneutralen Energiegewinnung zu kontern, die die wegfallenden Arbeitsplätze auffangen würden.

Einem FDPler wäre es im Prinzip am liebsten, wenn der Markt den Klimawandel selbst regulierte, obwohl nicht marktliberale Menschen den für jene heiligen Markt als eine Ursache des von Menschen verursachten Klimaproblems sehen dürften. Marktliberale würden am liebsten den Kausalzusammenhang auf den Kopf stellen und die öffentliche Hand für den Klimawandel verantwortlich machen. Die marktliberale Ideologie dahinter griff die Grüne leider nicht an, weil sie diese aller Wahrscheinlichkeit nach im Grunde teilt.

Die Positionen der beiden bürgerlichen Parteien unterscheiden sich, nach diesem Talk zu urteilen, eher nach den Konsummustern ihrer Wählerschaft: Die heile Welt der Grünenwähler aus den oberen Einkommensdezilen mit dem umweltfreundlichen Warenkorb trifft auf die „realistischere“ Welt gewinnmaximierender Unternehmen aus dem Produktionssektor, die angeblich die Arbeitsplätze schaffen, ohne die Deutschland nicht mehr Deutschland wäre, seine Wirtschaftskraft verlöre. Deutschland ohne Aluminiumverhüttung wäre nicht mehr Deutschland, so kam der FDP-Typ rüber.

Zwar hantierten beide auch mit einigen Zahlen, die jedoch jeweils nur unterstreichen sollten, dass die Arbeitsplatzmaximierung am besten mit der eigenen Position gelingen würde. Für den Zuschauer war auf die Schnelle nicht ersichtlich, wo die Zahlen herkamen. Dass Arbeit um der Arbeit willen auch den Klimawandel anheizen könnte, lag scheinbar nicht im Horizont der beiden Politmarketingexperten. Meine Vermutung wäre, dass eine ganze Menge Energie verschwendet wird, weil es eine Menge überflüssiger Arbeit im jetzigen Stadium des Kapitalismus gibt.

Wenn ich mich recht entsinne, sparte sich der FDP-Mensch das Problem der Grundlast anzusprechen. Ob es sich heute schon lösen ließe, entzieht sich meiner Kenntnis. Inwieweit etwa Zwang auf das Unternehmertum ausgeübt werden müsste, um das Problem wirksam anzugehen, wäre eine interessante Frage. Doch blieb die Diskussion an der Oberfläche markenkerniger Parteiphrasen kleben, wie letztlich nicht anders zu erwarten war. Wenn die Grünen z.B. Pilotprojekte auf Lager hätten, die diese Schwierigkeit angingen, würden sie sich auch nicht ständig den Vorwurf der Wohlfeilheit gefallen lassen müssen. So kommt es, dass man sie mit vorschnellen Verbotsforderungen assoziiert, die ihre eigene Klientel kaum betreffen, weil sie in den großen Städten wohnt, in denen ein Auto nur selten gebraucht wird.

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