Flassbeck empfiehlt: Eine prokapitalistische Partei links von der SPD

Einer der letzten Mohikaner des Keynesianismus in Deutschland, Flassbeck, sucht die Gegner seiner Phantasie von der Rückkehr zum rheinischen Kapitalismus und konzertierten Aktionen wieder einmal in den Reihen der breiteren Linken. Die – zugegeben – verqueren Versuche von Konicz seine Melange aus Weltsystemtheorie und Wertkritik mit den meistens identitätspolitisch gefärbten Themen der Bewegungslinken zusammenzubinden, um so eine systemüberwindende Perspektive zu eröffnen, überschätzt er meines Erachtens in ihrer Breitenwirkung. Manchmal verstieg sich Konicz sogar dazu, Meldungen aus der Naturwissenschaft dialektisch im Sinn der Wertkritik zu interpretieren (der Artikel findet sich bei telepolis, bin gerade zu faul ihn herauszusuchen). Nur sollte ein Journalist, der bisweilen etwas krause „Theorietransfers“ betreibt, kein Grund sein, alles, was irgendwie mit Marx zu tun hat, für volksverschreckendes Teufelswerk zu halten. Marx beschäftigte sich vornehmlich mit der Analyse des Kapitalismus seiner Zeit, machte dabei auch Fehler, hat aber auch manches schon erkannt, was Keynesianer ihrem Meister zuschreiben. „Flassbeck empfiehlt: Eine prokapitalistische Partei links von der SPD“ weiterlesen

Unerwünschte Einstellungen und kapitalistische Herrschaft

Beliebt in bewegungslinken Zusammenhängen ist die diffuse Vorstellung, dass alle von ihnen geführten „Kämpfe“ zusammen, eine bessere Welt hervorbringen würden. Nach mindestens vier Jahrzehnten dieser Art von Praxis sollte vielleicht aufgefallen sein, dass sich nichts dergleichen bislang ereignete, auch wenn zuweilen sehr viele Menschen auf der Straße waren. Die Mächtigen haben ihr Ding etwa im Fall des Irakkrieges von 2003 trotzdem durchgezogen. „Unerwünschte Einstellungen und kapitalistische Herrschaft“ weiterlesen

Systemtransformation durch offene Grenzen?

In der Debatte um die Flüchtlingspolitik wurden Töne laut, die Sarah Wagenknecht vorwarfen, sie schade der Linken und nutze mit ihren Aussagen den Rechten. Tomasz Konicz nannte ihren Politikansatz daher nationalsozial, auch wenn er betonte, dass er sie nicht für eine Nazifrau halte.

Diese Einlassungen veranlassten Norbert Häring, Konicz als einen Schmierfinken zu bezeichnen. Obwohl man diese Bezeichnung nicht goutieren muss, treffen er und mit ihm Wagenknecht in meinen Augen doch einen wunden Punkt der „Open-Border-Bewegung“, dem sie anscheinend nur begegnen kann, indem sie die Überbringer der schlechten Nachricht verächtlich macht.
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Die „reaktionäre“ Seite der linken Sozialdemokratie

Während die rechte Sozialdemokratie längst im neoliberalen Hauptstrom aufgegangen ist, existieren noch immer Kritiker desselben, die aus deutscher Perspektive implizit zurück in die große Zeit der SPD unter Willy Brandt wollen. Wirtschaftspolitisch an Keynes Konzepten angelehnt, die damals zwar auf nationaler Ebene schon scheiterten, gehören sie zu den beharrlichsten Leugnern der Hypothese, dass technischer Fortschritt und Arbeitslosigkeit etwas miteinander zu tun haben könnten. Müssen im gängigen Jargon als konservativ geltende Politiker im Grunde nur versprechen, dass alles so bleibt wie es ist, fühlen sich linke Sozialdemokraten unfreiwillig dazu berufen, in eine gebenedeite Zeit vor dem Neoliberalismus zurück zu wollen. Wer auf politischer Ebene in einen früheren Zustand zurück will, wird gemeinhin als „reaktionär“ bezeichnet. Zwar kann man zustimmen, dass die neoliberalen Konterreformen wieder zurückzunehmen seien, doch bedarf es dringend progressiver Ergänzungen auf linkssozialdemokratischer Seite. „Die „reaktionäre“ Seite der linken Sozialdemokratie“ weiterlesen