Der inhaltsleere Wahlkampf aus neoliberaler Perspektive

Der sich abzeichnende Wahlsieg der weiblichen Strebsamkeitsfigur Angela Merkel wirft seine Schatten voraus und ihr „Herausforderer“ Martin Schulz von der SPD warf ihr offenbar vor, einen einschläfernden Wahlkampf zu führen. Dieser Vorwurf fällt unmittelbar auf die SPD zurück, die dadurch augenscheinlich zugesteht, nicht in der Lage zu sein, eigene Themen zu setzen und so zu vertreten, dass sie nicht wie bloße Kosmetik klingen.

Dieser Zustand ist genau derjenige, den sich die neoliberale Ideologie mit ihrer Entthronung der Politik (Hayek) wünscht. Die gesellschaftlich entscheidenden Wahlen finden im Supermarkt oder bei Online-Handelsketten statt, bestimmt doch die Konsumentscheidung über das Wohl und Wehe so mancher Unternehmen. Die parlamentarischen Wahlen belaufen sich darauf, das möglichst reibungslose Ablaufen der betrieblichen Gewinnmaximierung zu gewährleisten, dem Gewinnmaximierungsprinzip möglichst alle Staatsaufgaben unterzuordnen und, wenn es geht, zu privatisieren. „Der inhaltsleere Wahlkampf aus neoliberaler Perspektive“ weiterlesen

Hippies, die Kapitalismus super finden…

In letzter Zeit traf ich oft auf mitteldeutsche Leute, die man grob den Hippies zurechnen würde, was Musik- und Klamottengeschmack sowie Lebensstil betrifft. Viele erlebten die Wende 1989/90 tatsächlich als Befreiung, konnten endlich die großen Rockbands der Ära des Kalten Krieges auf der Bühne sehen, sich frei auf dem Erdball bewegen nur begrenzt durch das eigene Budget. Lieber einen Kapitalismus, der zwar langsam die Samthandschuhe auszieht, als ein Lethargie und Korruption fördernder real existierender Sozialismus, der zu verknöchert war, so etwas wie Gegenkultur zu tolerieren, war in etwa der Tenor, den ich heraushören konnte.

Obwohl ich der Überzeugung bin, dass die kapitalistische Herrschaftsform abzulehnen ist, ist die beschriebene Sicht der Dinge für mich nachvollziehbar. Ihr Fehler ist – wie so oft -, dass eine falsche Dichotomie von Kapitalismus und dem Parteisozialismus des Ostblocks angenommen wird. Da sich Deutschlands Wirtschaft durch die Exportorientierung seit der Krise 2007/8 im Vergleich zum Rest der Welt noch ganz passabel aus der Affäre ziehen konnte, funktioniert die Apologie des Kapitalismus in Deutschland wohl immer noch besonders gut. „Hippies, die Kapitalismus super finden…“ weiterlesen

Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?

Zwar hat Tomas Konicz immer mal wieder interessante Daten und Perspektiven im Köcher, die seine Artikel lesenswert machen, doch verharrt er bei der Wertkritik und somit implizit bei der Arbeitswertlehre, wenn er in seinen jüngsten Artikeln etwa schreibt:

Obwohl Lohnarbeit die Substanz des Kapitals bildet, strebt das Kapital in der marktvermittelten Konkurrenz zugleich danach, die Lohnarbeit möglichst weitgehend durch Rationalisierung aus dem Produktionsprozess zu verbannen.

Es ist wohl kaum bestreitbar, dass es Produktivitätssteigerungen gibt, wenn man nicht den Nachfragetheoretikerinnen anhängt, die diese Beobachtung für Arbeitgeberpropaganda halten. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass Unternehmen in erster Linie Gewinn erzielen wollen und sie bei geringen Lohnkosten nicht zwingend die neueste arbeitssparende Technik einsetzen. Darum korrespondiert der Entwicklungsstand der Technik nicht zwangsläufig mit deren Einsatz. Der Geschäftssinn könnte sozusagen die Effizienzsteigerung der Produktion untergraben, solange die internationale Konkurrenz mit massiven Preissenkungen keinen Strich durch die Rechnung macht. „Bricht die „Substanz des Kapitals“ weg?“ weiterlesen

Zur Senkung der „fremdverwirklichenden“ Arbeitsmoral

Ein im letzten Beitrag etwas unterschlagener Aspekt von Befehl-Gehorsam-Strukturen ist, dass die Gewohnheit daran das Gehirn entlastet. Viele Menschen sind – so scheint es – nicht in der Lage sich selbst auszuhalten und sich Ziele zu setzen, die ihnen niemand anders vorgibt. Allem Anschein nach könnte sehr viel überflüssige Schufterei schon heute wegfallen, doch würden viele von der Arbeitsgesellschaft zugerichtete Menschen dies noch gar nicht aushalten, weil ihre ganze Persönlichkeit daran hängt, Befehlen Folge zu leisten. Sie haben dabei vielleicht nicht im Wortsinne Spass, aber sind auch nicht zwingend unglücklich damit, weil es der Norm einer Arbeitsgesellschaft entspricht. Wer jedoch aus dieser Norm herausfällt, wird scheinbar reflexhaft angefeindet.

Im Gegensatz zum Selbstverwirklichungsansatz werden die meisten hierzulande quasi „fremdverwirklicht“, ohne dass sie daran groß Anstoß nähmen. Ganz ähnlich wie manch Polizist davon träumt, im Ausland verwendet zu werden, möchten auch viele Menschen aus der übrigen Arbeitsbevölkerung schlicht benutzt werden. Der Vorteil eines ausgefüllten Arbeitstages ist, dass Gedanken gar nicht erst aufkommen können. Das zentrale Nervensystem wird vielleicht noch zum Small Talk benötigt und verkümmert ansonsten ziemlich ungenutzt bis zur Rente, die nach den Vorstellungen des BDI aber erst mit 80 kommen soll. „Zur Senkung der „fremdverwirklichenden“ Arbeitsmoral“ weiterlesen