Konservative Weltbilder: nichts anständiges gelernt…

Peter Tauber von der CDU gab kürzlich einen Einblick in die Welt der professionellen Polit-Vereinsmeier, zu der er gehört. Wer hier zwei bis drei Jobs braucht, ließ der Punk der CDU – wie ihn eine im Rheinland weit verbreitete Regionalzeitung einmal nannte – das geneigte liberal-konservative Publikum wissen, um sich über Wasser zu halten, hat nur nichts anständiges gelernt oder – so wäre ergänzend hinzuzufügen – ist nicht rechtzeitig der Jungen Union beigetreten. Ansonsten sieht Deutschland für den Generalsekretär der Union womöglich so aus wie in der Erdinger Weißbier™ Werbung mit Kaiser Franz. Von Hotel zu Hotel im Auftrag der Partei eilend, ist alles wie im Werbeprospekt der Gastronomie. Wie der Kaiser wird er um die allgegenwärtige Korruption wissen, jedoch kaum mit dem Leben der Leute in Berührung kommen, die die Auflösung des Reformstaus durch die geschröderte SPD in Deutschland nun ausbaden.

Davon abgesehen trifft Tauber durchaus einen Nerv von Teilen des Bürgertums, die einerseits freiberuflichen Tätigkeiten nachgehen oder anderweitig als Selbständige oder höhere Angestellte ihre Brötchen verdienen, wonach alles, was nicht direkt vermarktbares Fachwissen ist, überflüssig sei. Studieren muss in den Augen dieser mehr oder minder antiintellektuellen Bürgerlichen in erster Linie später Geld einbringen. Diese mögen dem CDU-Mann zwar vorhalten, dass er selbst als Historiker nichts anständiges gelernt habe, sich nur über „ihr“ sauer verdientes Geld finanziere, geben ihm im Kern jedoch Recht. Dass auch die meisten freiberuflichen Jobs massiv durch staatliche Strukturen subventioniert sind, wenn man z.B. an Ärzteschaft, Rechtswesen, Steuerwesen oder Apotheken denkt, darüber deckt diese Klientel wohl lieber den Mantel des Schweigens. Sonst würden die freien Kräfte des Marktes diesem Kastenwesen den Wind des Wettbewerbs derart um die Ohren wehen lassen, dass viele davon den Glauben an den Markt verlören.

Ferner sind Leute in den genannten bürgerlichen Berufen nicht selten ebenso enthoben von den Auswirkungen der Agendapolitik, profitierten womöglich noch von so mancher Reform, dass sie „Deutschland geht’s gut“ für sich unterschreiben könnten. Erst wenn sich der langsam absinkende Lebensstandard eines großen Teils der Bevölkerung bemerkbar macht, könnte ein Umdenken bei den Jüngeren einsetzen, wie es sich schon in Frankreich und Großbritannien abzuzeichnen beginnt. Auch die selbstverliebten Freiberuflichen werden sich dann einem verschärften Konkurrenzkampf ausgesetzt sehen. Solange eine absolute Mehrheit sich noch einreden kann, dass es schon schief gehen wird, sieht eben diese Mehrheit keine Veranlassung zu handeln.

Aus lauter kleinen Verlogenheiten entsteht somit eine soziale Trägheit, die das System zusammenhält. Zwar bedarf es nicht allzu großer geistiger Anstrengung die eher systematischen Probleme unbegrenzter Bereicherung wahrzunehmen, doch fehlt es an einer Strategie, wie man ihnen begegnen könnte. Mit einem etwas klareren Bild von einer möglichen Strategie könnte ich auch Großdemoveranstaltungen wie in HH über kurz oder lang wieder etwas abgewinnen. So aber muss ich mich den Ketzern anschließen, dass es womöglich geschickter gewesen wäre, wenn niemand zu den Demos gegangen wäre und dann nur Bilder von einer Polizeiarmee ohne Demozug zu sehen gewesen wären.

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