Über kontraintuitive Begriffsverwendung aus dem Antidiskrimierungslager

Per Zufall landete ich letztens bei einer sozialphilosophischen Diskussionssendung über (staatlichen) Rassismus und damit zusammenhängenden Sexismus in Frankreich auf arte. Wenn etwa von Rassismus betroffene Personen ein Sommercamp veranstalten und nicht Betroffene ausschließen, sei das nicht rassistisch, wenn eine Kneipe nur autochtone Franzosen und Europäer hereinlässt, handele es sich hingegen um Rassismus. Wegen der antirassistischen Zielsetzung des Camps sei eine Positivdiskriminierung laut der dafür scheinbar zuständigen akademischen Kapazitäten gerechtfertigt.

Im weiteren Verlauf der Sendung wurde dann noch auf das französische Gesetz eingegangen, wonach das Tragen religiöser Symbole an staatlichen Schulen verboten ist. Dies sei denselben Kapazitäten zufolge sexistisch und rassistisch, weil davon hauptsächlich muslimische Frauen betroffen seien, die in ihrer Freiheit eingeschränkt würden.

Zweifelsohne kann man eine solche Einteilung vornehmen, obwohl mein intuitives Verständnis von Rassismus und Sexismus ein anderes ist, nämlich die positive oder negative Diskrimierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer „Rasse”. Die Frage ist vielmehr, ob mit der kontraintuitiven Begriffsverwendung irgendetwas gewonnen wird. Spätestens, wenn man daran denkt, dass die muslimische Kopftuchpflicht – vorsichtig formuliert – nicht zwingend für die Gleichberechtigung der Frau zu stehen scheint, kommen doch leichte Zweifel auf, zumal das Gesetz selbst unterschiedslos alle religiöse Symbolik verbietet.

Wenn von Rassismus betroffene Menschen eine temporäre Selbsthilfegruppe in Form eines Camps bilden, ist dagegen nichts einzuwenden. Allein, der Wirkkreis solcher Aktivitäten ist logischerweise nur sehr begrenzt und die Etikettierung als antirassistisch mag die Wirkung vielleicht innerhalb universitärer Milieus etwas verstärken, doch Ziele für alle Menschen lassen sich so auf die Dauer nicht formulieren. Mir scheint die neumodische Begriffsverwendung daher höchstens aufmerksamkeitsökonomisch begründbar. Sie kann aber auch nach hinten losgehen. Insbesondere, wenn argumentiert wird, man sähe Hautfarben wegen rassistischer Sozialisation, fängt man an die meisten Leute zu verlieren, die nicht dauernd in postmodern linken Zirkeln verkehren.

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