Die Konsequenzen der Marktwirtschaft

Die heiß geliebte Marktnatur des Menschen wird von Keynesianern und Neoklassikern bis hin zu Ordo- bzw. Neoliberalen verteidigt. Im Kern sind sie alle sich einig, dass der Markt das beste Mittel zur Versorgung aller Menschen mit Gütern und Dienstleistungen darstellt, gerade weil die Versorgung auf dem indirekten Wege der persönlichen Bereicherung stattfindet. Der Egoismus der Einzelnen hat so den charmanten Nebeneffekt der optimalen Versorgung aller, die berühmte unsichtbare Hand.

Wenn man die gegenwärtige Situation ansieht, funktioniert das System selbst in Deutschland nunmehr eher durch Schönrechnerei, als dass die Pläne aller Wirtschaftssubjekte tatsächlich in Erfüllung gehen würden, wie dies die Modelle der Neoklassik behaupten, sind viele doch gar nicht mehr in der Lage ihr Leben auch nur in groben Zügen zu planen. Solange aber die Mehrheit noch das Gefühl hat, dass für sie die Welt in Ordnung bleiben wird, wenn sie nur nicht anecken usw., kann die Minderheit locker ihrem Gossenschicksal überantwortet werden. Allein, ein diffuses Bedrohungsgefühl breitet sich dadurch in den nicht ganz so wohlhabenden Schichten aus.

Gegen die Verfechter der Marktwirtschaft kann aber immerhin der Punkt gemacht werden, dass die jetztige Situation eine mögliche Konsequenz des marktwirtschaftlichen Systems ist. Verlässt man überdies den verengten Blick auf Deutschland, bekommt man eine Ahnung davon, dass das marktwirtschaftliche Weltsystem nicht in bester Verfassung ist. Die Antwort der Marktwirtschaftsfans läuft meist darauf hinaus, dass diese oder jene Stellschraube in Richtung mehr oder weniger Markt nur um eine Achteldrehung angezogen werden müsse. Die Mainstreamökonomen halten irgendwelche Marktbeschränkungen für ursächlich, Keynesianer sehen den passiven Staat, seine mangelnde Investitionstätigkeit etc. als Wurzel allen Übels. Dennoch lebten wir die letzten Jahrzehnte in der real existierenden Marktwirtschaft! Nur Anarchokapitalisten reinsten Wassers vermögen dies zu bezweifeln.

Folgt man etwa dem Keynesianer Schulmeister, dann haben die „Eliten” angeblich Angst vor den sog. Rechtspopulisten. Woher diese Angst kommen soll, wenn man sich etwa die Vorstellungen der AfD zur Wirtschaftspolitik vornimmt, erschließt sich mir nicht ganz. Außer eines eventuellen Imageverlustes für die exportorientierten Unternehmen bliebe doch alles im Prinzip beim Alten, die Gangart mit den Subalternen würde sich gar noch verschärfen. Leider diskutieren die Keynesianer nur sehr ungern darüber, dass ihre Rezepte in den späten 1960ern und frühen 1970ern nicht so recht funktionierten, und erst im Zuge dessen die neoliberale Wende beginnen konnte. Offenbar waren die „Eliten” schon damals von der keynesianischen Weisheit nicht mehr überzeugt, was vielleicht damit zusammenhängt, dass sie so menschenfreundlich gar nicht sind, wie Schulmeister zu unterstellen scheint.

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