Zum Weltwirtschaftsforum in Davos

Zu den alljährlichen massenmedialen Ritualen gehört die Berichterstattung über das Weltwirtschaftsforum in Davos, ausgerichtet seit 1971 von Klaus Schwab seines Zeichens emeritierter Professor einer schweizer Hochschule. Das Forum umfasst nach eigenen Angaben Mitglieder aus allen Bereichen von Wirtschaft, Kultur, Hochschulen usw.. Der Schwerpunkt liegt natürlich, wie der Name schon sagt, bei global führenden Unternehmen. Die im Forum versammelten Organisationen verschreiben sich der Mission, die Welt besser zu machen, sind quasi die Pfadfinder der globalen Führungskräfte. Immerhin findet sich keine reine Rüstungsfirma unter den Partnern.

Der Glaube an die Rechtmäßigkeit marktwirtschaftlich induzierter Hierarchien paart sich mit dem Glauben an die wohlwollende Führerschaft durch die Häuptlinge der führenden Unternehmen, die gewissermaßen durch die Natur des Marktes in diese Position gelangt sind. Dass die hofierten Führungskräfte meist ihre Ellbogen erfolgreich einsetzten, um sich einen Platz an der Spitze zu erobern, wird auf dem Eliteklassentreffen anscheinend nicht reflektiert. Stillschweigend werden die Effekte des Wettbewerbs als positiv vorausgesetzt ebenso wie das Bedürfnis nach Investitionssicherheit der Firmen usw..

Dennoch ist es ganz interessant, was die wohlwollende Wirtschaftselite, zu der scheinbar alle gezählt werden können, die nicht direkt Waffen produzieren, als wesentliche gobale Risiken identifizieren, die sie seit 12 Jahren in einem Global Risk Report zusammenfassen. Die interdependenten Risikofelder kann man dabei grob einteilen in Umweltprobleme, sozioökonomische Gefahren etwa durch die Polarisierung in Arm und Reich sowie Technikfolgen der sog. vierten industriellen Revolution. Die Antworten auf diese Herausforderungen sind die folgenden, im Text selbst werden nur die Risiken näher beleuchtet, zu den Lösungen erfährt man nicht viel mehr als folgendes:

1) Förderung größerer Solidarität und langfristigen Denkens im Marktkapitalismus
2) Wiederbelebung des wirtschaftlichen Wachstums
3) Inklusivität und Identität in gesunden politischen Gemeinschaften als wichtig anerkennen
4) Minderung der Risiken und Ausnutzung der Möglichkeiten der 4. Industriellen Revolution
5) Stärkung der Systeme globaler Kooperation.

Wie der marktwirtschaftliche Imperativ, so schnell wie möglich, so viel Geld wie möglich zu machen, etwa mit langfristigem Denken vereinbart werden soll, darüber schweigen sich die Foristen geflissentlich aus. Den Gegensatz von Kooperation und gleichzeitig gefeiertem Wettbewerb sehen sie ebensowenig. Man wird daher das Gefühl nicht los, dass es letztlich mehr um die Sicherung der Führerschaft geht, als darum, die Welt besser zu machen, vielleicht muss man auch besser beherrschbar im Sinne der Gewinnmaximierung darunter verstehen. Propagiert wird eine Art Neoliberalismus mit menschlichem Antlitz, der frei nach Gary Becker betriebswirtschaftliche Vorteile in Genderdiversität erkennt. Ferner wird die Auffassung Dani Rodriks referiert, wonach nationale Souveränität, Demokratie und Integration niemals zusammen zu haben seien. Nur zwei Teile des Trilemmas ließen sich zugleich verwirklichen. In Merkels marktkonformer Demokratie werden demnach Demokratie und Integration in die Weltwirtschaft betrieben, aber sonst ist die BRD getriebene nicht Mitgestalterin der Weltwirtschaft.

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