Alternativlose Globalisierung

Durch Zufall lieferte mir der Blick auf die Unterseiten von Spielzeugautos aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren einen Einblick in die Umsetzung des T.I.N.A.-Prinzips (There is no alternative.) am Beginn der neoliberalen Wende. Stand auf den älteren Modellen noch „Made in the UK” oder „Made in Western Germany”, las man auf den jüngeren Modellen sowohl britischer wie deutscher Hersteller „Made in Taiwan”. Alternativlos wurde die Produktion von Spielzeugautos nach Taiwan verlagert, damit sich die Leistung eine Spielzeugfirma zu besitzen, wieder lohnte. Vorher waren diese Leute bestimmt bettelarm….

Die Kräfte des Marktes sorgten für diese Veränderungen, gegen die man sich nach der seither herrschenden Ideologie nicht wehren kann, weil es genauso lächerlich wäre, wie sich gegen das Wetter aufzulehnen. Wenn davon die Rede ist, dass den Menschen in den Industrieländern mit der Globalisierung etwas versprochen worden sei, dann war die Alternativlosigkeit der Globalisierung ein mindestens ebenso wichtiges Argument. In der 38sten Folge von Alternativlos werden die Wahlsiege von rechten Parteien u.a. darauf zurückgeführt, dass die Mehrheit der Leute sich von den Versprechungen der Globalisierung enttäuscht sah.

Die beiden Diskutanten hätten sich einmal an den Titel ihrer Sendung erinnern können. Seit dieser Zeit blieb die Wirtschaftspolitik in den Industrieländern weitgehend dieselbe und bezog nach dem Fall der Ostblockstaaten quasi die ganze Erde mit ein. Statt Importsubstitutionspolitik setzte die Weltbank fortan auf Strukturanpassungspolitik. Somit stand nicht mehr der Aufbau einer eigenen industriellen Basis im Fokus sondern die unmittelbare Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. Mag es stimmen, dass für große Teile der Weltbevölkerung sich die materielle Güterausstattung seitdem verbessert hat inklusive Gesundheitsversorgung, sollte man die Kosten dieser Entwicklung nicht ausblenden, was Mensch und Natur betrifft.

Das US-amerikanische Wahlergebnis kann daher auch so interpretiert werden, dass genügend Leute nicht noch mehr von derselben Wirtschaftspolitik haben wollten, ihnen wichtiger war, dass überhaupt die Aussicht besteht, dass sich etwas ändern könnte, weil Trumps Wahlkampf nicht erkennen ließ, was er vorhatte. Bis heute kann man sich dessen nicht sicher sein, wenn sich auch abzeichnet, dass sich wirtschaftspolitisch doch nichts ändern wird. Hingegen waren ihnen die linksliberalen Kulturkampfthemen nicht so wichtig, wenn ansonsten offensichtlich war, dass die ökonomischen Zukunftsaussichten sich durch die Politik von Hillary Clinton nicht bessern würden.

Die hinter der Globalisierung stehende neoliberale Ideologie hätte daher durchaus ein paar Worte verdient gehabt, denn sie stellt die Kritik vor das Problem, dass sie nichts verspricht. Konnte man zu Marxens Zeiten den Liberalismus tatsächlich noch auf seine Versprechungen hin kritisieren, negiert der Neoliberalismus diese als gefährliche rationalistische Anmaßung. Wer – so das neoliberale Mantra – die Gesellschaft nach Maßgabe der Vernunft einrichten wolle, lande unweigerlich im Totalitarismus. Was bleibt, ist die Anpassung an den heiligen Geist des Marktes. Allerdings benötigt der Neoliberalismus, um seine Position darzulegen, die Negation dessen, was man die Philosophie der Aufklärung nennt, aus der sich auch der alte Liberalismus speiste.

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