Et Merkel macht weiter…

Die Jubelmeldungen der Medienlandschaft überschlugen sich geradezu, nachdem nun bekannt geworden ist, dass die Alternativlose für eine weitere Amtszeit kandidiert. 55 % der Bevölkerung begrüßen dies laut einer jüngeren Umfrage, die gestern im Radio verlautbart wurde, und man fragt sich, was diese 55 % denn politisch bzw. inhaltlich daran begrüßen. Vermutlich wüssten die Leute darauf so schnell keine Antwort. Die konservative Klientel jedoch ist – wie das Wort schon sagt – primär daran interessiert, dass sich nichts für sie ändert. Dieses Gefühl vermittelt Merkel mit allen Kniffen der Public Relations, die nötig waren, um dieses als ihr Image aufzubauen. Alle innerparteilichen Konkurrentinnen hat Merkel derweil kalt gestellt, wie Helmut Kohl es ihr vormachte.

Während man nach der Wahl Trumps wenigstens gespannt sein darf, was passieren wird, dürfen wir uns hier auf jene bleischwere Langeweile im politischen Bereich gefasst machen, die uns schon seit geraumer Zeit begleitet. Daher passt der Ausdruck der „asymmetrischen Demobilisierung” für den merkelschen Politikstil. Man könnte auch von politischer Anästhesie reden, schliefen doch auch die Reporterinnen der Mainstreammedien beim letzten Interview der großen Demobilisiererin mit Anne Will nach eigenem Bekunden beinahe ein.

Wenn sich jemand fragt, warum viele Leute lieber Sport gucken als sich der Langeweile des Politikbetriebes auszusetzen, bekommt somit von den Medienschaffenden selbst die Antwort. Einerseits brechen letztere ob der frohen Kunde ihrer geliebten Volkskanzlerin in Jubel aus, andererseits ertragen selbige ein Interview mit ihrer Favoritin nur mit Mühe, ohne einzuschlafen. Vielleicht ist das Geheimnis der „asymmetrischen Demobilisierung” darin zu sehen, dass Angie sogar ihre Fans zu demobilisieren vermag.

Nimmt man ein politisches Ziel des Neoliberalismus ernst, wonach die Politik entthront werden müsse, kann man Merkel-Deutschland als ein Land sehen, in dem dieses Ziel schon weitgehend erreicht ist. Die Bevölkerung ist längst zu großen Teilen entpolitisiert und die Politik richtet sich nach den Märkten bzw. schafft für eine kleine vermögende Schicht neue Märkte. Das Kanzlerinnenwort von der marktkonformen Demokratie spricht in dieser Hinsicht Bände. Um die Marktkonformität weiter zu gewährleisten, erweist sich Angela Merkel tatsächlich als die bestmögliche Kandidatin derzeit und kann insofern als Verteidigerin eines Liberalismus gelten, der einen negativen Freiheitsbegriff mit dem Hauptaugenmerk auf die Gewerbefreiheit vertritt, ohne allzu viele andere negative Freiheiten über Bord zu werfen. Der Datenschutz gehört aber z.B. nicht dazu.

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