Zur Einstellung der jungen Beschäftigten in Deutschland

Manchmal schnappt man aus dem öffentlichen Rundfunk etwas auf und weiß nicht mehr genau, wann und wo es gesendet wurde. Jedenfalls begab es sich vor ein paar Tagen, dass die Meldung die Runde machte, dass die jungen Beschäftigten hierzulande mehrheitlich eine nüchterne Einstellung zu ihrem Job haben: Sie gehen zur Arbeit, weil sie dafür bezahlt werden. Na da schau her, Geld ist die Hauptmotivation für die Arbeit nicht die „Selbstverwirklichung” und der Spass an der Tätigkeit.

In der betreffenden Radiosendung wurde sogleich beschwichtigender Expertenrat eingeholt, passt dieser Befund offenbar kaum in das Weltbild von Radiomoderatorinnen, die ihr ganzes Leben nichts anderes machen wollten, als beim öffentlichen Rundfunk zu arbeiten. Es kam mir so vor, als hätte der Experte anfangs sagen wollen: „Was haben Sie denn erwartet?”. Allein, er besann sich und sinnierte, dass die diagnostizierte Ernüchterung der jungen Beschäftigten wohl damit zu tun habe, dass sie sich noch ganz unten in der Hierarchie befänden, sie noch nichts zu sagen hätten usw.. Irgendwann, versicherte er weiter, werden sie ihre Laufbahn machen und mehr Spass an der Arbeit gewinnen.

Damit gab sich die Moderatorin am anderen Ende der Leitung zufrieden, augenscheinlich weit entfernt davon sich zu fragen, was denn mit denen geschehen werde, die keinen Aufstieg schaffen. Im Weltbild der veröffentlichten Meinung kommen nicht Aufgestiegene bzw. nicht Aufsteigende scheinbar nicht vor. Selbst wenn jemandem der Aufstieg gelingt, muss dies nicht gleichbedeutend sein mit einer Spassexplosion am Arbeitsplatz. Man darf vielleicht andere herumkommandieren, was man vorher nicht konnte, was aber nicht heißt, dass das Spass machen muss. Soweit aber kommt man in einem drei- bis fünfminütigen Radiobeitrag selbstverständlich nicht.

Als eher kritisch gesinnter Zeitgenosse gehört die gestellte Diagnose für mich zu den positiveren Nachrichten der letzten Zeit, wirft sie doch ein Schlaglicht auf die Verlogenheit des Arbeitsfetischismus, wie er von der veröffentlichten Meinung seit Jahrzehnten kolportiert wird. Zwar gibt es Leute, die in ihren Berufen aufgehen, doch lässt sich diese Tatsache nicht verallgemeinern. Sogar unter Fussballprofis sollen reine Söldner unterwegs sein, die einst bemerkten, dass sie Talent für diesen Sport haben, aber keinerlei Leidenschaft dafür mitbringen.

Im linken politischen Spektrum hat die Verklärung der Arbeit leider eine lange Tradition, worin es sich allerdings vom liberal-konservativen Lager nur insoweit unterscheidet, als sich letzteres gern in der Rolle der gnädigen Gewährer von bezahlter Tätigkeit dem idiotischen Fußvolk gegenüber sieht, das ihm immer wieder zu parlamentarischen Mehrheiten verhilft. Meines Erachtens wäre es an der Zeit von linker Seite, die Tendenz zur Ernüchterung über die Arbeitswelt aufzunehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.