Die abstrakte Herrschaft des Geldes und die wirtschaftliche Dynamik II

Fragt man sich nach den Bedingungen dafür, warum das kapitalistische Realitätsprinzip so allgemein akzeptiert ist, rückt beinahe unweigerlich die Konkurrenz als eine wesentliche ins Blickfeld. Gibt es ausreichend viele Anbieter auf einem Markt, bewirkt die Konkurrenz in der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts, dass sich ein einziger Preis auf dem Markt einstellt, was wahlweise als vollkommene oder atomistische Konkurrenz bezeichnet wird. Spätestens mit dem Beginn der industriellen Revolution darf man jedoch davon ausgehen, dass Unternehmen in ihre Produktionstechnik investieren, um zu geringeren Kosten produzieren zu können als die Konkurrenten, wodurch sie einen Extraprofit erzielen können, indem sie eine zeitlang den marktüblichen Preis verlangen. Diesen Extraprofit können sie wiederum für neue Investitionen in die Produktionstechnik nutzen. Nach und nach werden die produktionstechnisch Führenden höchstwahrscheinlich die Preise senken, um Marktanteile zu gewinnen. Die Preissenkung setzt die anderen Anbieter unter Druck, die eigene Produktionstechnik zu erneuern. Sonst werden sie auf die eine oder andere Art vom Markt gedrängt bspw. durch Aufkauf oder Geschäftsaufgabe.

Somit treibt die Konkurrenz den technischen Fortschritt in der Produktion voran, was meistens mit der Einsparung von menschlicher Arbeit in einer Branche einhergeht und die wirtschaftliche Dynamik des Kapitalismus auszeichnet. Menschliche Arbeitskräfte sind schließlich Kosten aus betriebswirtschaftlicher Sicht, die minimiert werden müssen wie alle übrigen Kosten auch, wenn man so viel Gewinn wie nur irgend möglich aus einem Betrieb herausholen muss, um unter dem Druck des Wettbewerbs bestehen zu können. Außerdem dürfte es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Konzentrationsprozessen als Folge der Dynamik kommen, weil einige Anbieter nicht mehr mithalten können. Daher entspringt die Tendenz immer neue Produkte zu erfinden, um zumindest für eine ausreichend große Zeitspanne eine möglichst konkurrenzlose Stellung zu erreichen, solange man seine Schäfchen noch nicht im Trockenen wähnt. Oft endet diese Zeitspanne mit dem Verkauf des Unternehmens an einen Investor.

Derzeit sehen die Industriekapitäne der Großbetriebe hierzulande und anderswo einen neuerlichen großen Schub der Automation unter dem Etikett Industrie 4.0 auf die Wirtschaft zukommen. Der vorher grob umrissene Prozess der Produktivitätssteigerung im Kapitalismus ist also kein theoretisches Hirngespinst einiger Marxisten, sondern wird sogar offensiv vom Industriekapital vertreten. Im Gegensatz zu marxistischen Herleitungen kommt die obige Beschreibung des Prozesses ohne Rückgriff auf die Arbeitswertlehre aus, ohne nach meiner Ansicht unplausibel zu wirken. Konkurrenz um Geld und das dadurch bedingte kapitalistische Realitätsprinzip reichen dafür völlig aus. Man mag einwenden, dass der geldvermittelte Konkurrenzkampf einen gewaltsamen bzw. kriegerischen Konkurrenzkampf eindämmte und die Produktivitätsentwicklung erst ermöglichte. Doch verdichten sich die Anzeichen dafür, dass nicht einmal mehr in den Industrieländern eine massenhafte Verarmung verhindert werden kann, wenn alles weiter so läuft wie bisher. Nichts deutet indes darauf hin, dass sich effektive Gegenwehr formieren würde.

Die Vergesellschaftung mittels Geld, die Herrschaft des Geldes über den Alltag sollten schon problematisiert werden, anstatt sie als irrelevant abzutun, weil wahlweise nur die Arbeit von der Ausbeutung befreit oder die Nachfrage angekurbelt werden müsste. Ob nun die direkte Demonetarisierung, wie manche behaupten, der richtige Weg ist, oder auch Zwischenschritte durch bewusste demokratisch gesteuerte Geldschöpfung im regionalen Rahmen möglich wären, lässt sich auf theoretischem Weg womöglich kaum bestimmen. Vielmehr geht es darum, die Sackgasse der herrschenden Geldwirtschaft auszuweisen, die aber die wenigen an der Spitze nicht zwingend zu spüren bekommen werden. Sie haben zur Not ihre Yachten mit Hubschrauberlandeplatz u.ä..

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