Zu den Kernthesen der Wertkritik

Beim umhersurfen stieß ich auf zwei wertkritische Texte, die die Kerngedanken dieser Richtung der neuen Marxlektüre besser herauszubringen scheinen, als mir dies bisher unterkam. Zum einen wäre da Kurzens Beitrag von 1995, der mir auch deswegen kommentierenswert erscheint, weil der Text auch von 2016 datieren könnte, würde man die aktuellen Zeitbezüge daraus durch heutige ersetzen. „Zu den Kernthesen der Wertkritik“ weiterlesen

Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik

Nicht eben selten trifft man auf die Vorstellung die neoklassische Ökonomik sei im Prinzip identisch mit dem Neoliberalismus bzw. der neoliberalen Ideologie. Gar so einfach verhält es sich jedoch nicht. Die Neoklassik ist gekennzeichnet durch die Übernahme mathematischer Methoden aus der Physik des späten 19. Jahrhunderts, um die Wirtschaftswissenschaften auf das Niveau einer Naturwissenschaft zu heben. Im Zweig der Mikroökonomik wird man als Student der Wirtschaftswissenschaften nicht umhin können, die Grundzüge der Neoklassik, wie sie Walras und andere in der betreffenden Zeit ausarbeiteten, kennenzulernen. Später entwickelten Arrow und Debreu das bis heute akzeptierte Totalmodell einer Volkswirtschaft, das die Beschränkungen seiner Vorgänger mit Hilfe neuer mathematisch-logischer Verfahren aufheben konnte, dabei auf der Ebene der reinen Theorie angesiedelt ist. Als soziologisch wichtige Beobachtung gilt es dabei zu vermerken, dass die wenigsten Studierenden des Faches das mathematische Handwerkszeug hätten, um die Mathematik dahinter zu verstehen. Die Ausnahme bilden meist ehemalige Physikstudenten, die feststellten, dass es mit wissenschaftlichen Karriere in der Physik für sie wohl nichts werden wird und es mal bei einem VWL-Lehrstuhl probieren. „Zum Verhältnis von Neoliberalismus und Neoklassik“ weiterlesen

Gedanken zu Lohnerhöhungen

Lohnerhöhungen in Deutschland stellen aus der Sicht der nachfragetheoretischen Makroökonomie quasi das Allheilmittel dar, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa auszugleichen und zugleich die Angst vor technisch bedingter Arbeitslosigkeit als Propaganda zu entlarven. Selbst wenn man die Zweifel in Bezug auf technisch bedingte Arbeitslosigkeit, die sich schon einstellen, wenn man die automatischen Kassen in einem Premiumsupermarkt erblickt, für den Moment beiseite lässt, fällt doch auf, dass in den letzten Jahrzehnten eine gelinde ausgedrückt eher gegenläufige Wirtschaftspolitik betrieben wurde. Immer wieder wurde von Lohnzurückhaltung gesprochen, um den Aufschwung nicht zu gefährden. Ein großer Niedriglohnsektor wurde eingeführt, die Lohnnebenkosten gesenkt. Mit Hartz IV wurde ein Disziplinararrangement gegen die Arbeitslosen gefunden, das die diffuse Angst um den Arbeitsplatz zu einer der vorrangingen Sorgen vieler Menschen hierzulande hat werden lassen. „Gedanken zu Lohnerhöhungen“ weiterlesen

Ökonomische Gedankenakrobatik zur Produktivität II

Der Film Schichtwechsel, der gestern abend auf arte lief und noch in deren Mediathek sein sollte, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als Herr Wendl. Die Prognose zum Schluss des Films lautet, dass nur noch ein Drittel der Menschen global gesehen in nicht allzu ferner Zukunft einer Arbeit, wie sie heute üblich ist, nachgehen werden. In naher Zukunft könnten einer anderen im Film genannten Prognose zufolge 18 Millionen Jobs in Deutschland automatisiert werden. Der teilweise etwas konfuse Streifen charakterisiert den Begriff Industrie 4.0 so, dass mit der vierten industriellen Revolution grob die Vernetzung der Maschinen bzw. Roboter, das Internet der Dinge und die Digitalisierung von Büroarbeiten gemeint ist. Die deutsche Großindustrie hat den Begriff hierzulande in die Welt gesetzt, doch die Entwicklung in diese Richtung wird auch in anderen Ländern vorangetrieben. „Ökonomische Gedankenakrobatik zur Produktivität II“ weiterlesen

Ökonomische Gedankenakrobatik bezüglich Produktivität

Noch nie habe technischer Fortschritt eine Steigerung der Produktivität herbeigeführt. Dieses Ergebnis präsentiert beinahe triumphierend ein Artikel auf dem Oxi-Blog von Michael Wendl, das völlig kontraintiuitiv daherkommt. Nun muss man genauer sagen, dass es ihm um die gesamtwirtschaftliche Produktivität geht, die laut Wendl auf dem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes pro Kopf pro Erwerbstätigenstunde als Indikator für Produktivitätswachstum basiert und dann wie auch immer deflationiert von Jahr zu Jahr verglichen wird. Man könnte sich auch einfach das BIP-Wachstum von Jahr zu Jahr ansehen und würde zum selben Resultat gelangen. Die spektakulären Wachstumsraten der Nachkriegszeit sind längst Vergangenheit und dennoch ist es ziemlich unzweifelhaft, dass seither die Produktivität in der Warenproduktion enorm gestiegen ist, mehr Produkte in kürzerer Zeit mit weniger Menschen hergestellt werden können. Doch ist Produktivität nach Wendl letztlich gleichzusetzen mit Wirtschaftswachstum, das folglich nie richtig von der Technikentwicklung beeinflusst worden sei abgesehen von der Zeit des Wirtschaftswunders.
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Creative against the Machine?

Ein Spiegel-Reporter berichtete kürzlich von den Forschungen großer Technologiefirmen wie Microsoft aus den USA. Die sich abzeichnenden Automatisierungspotentiale durch lernfähige Software scheinen riesig. Wenig beleuchtet wird allerdings, auf welche Bereiche sie sich auswirken werden, allenfalls ein Hinweis über die effizientere Bewässerung von Setzlingen lässt sich dem Text entnehmen. Jedenfalls scheint einer der Forscher überzeugt, dass der arbeitende Mensch von morgen stets werde beweisen müssen, warum seine Tätigkeit noch nicht automatisiert wurde. Da Anweisungen zu befolgen, von Maschinen in Zukunft besser erledigt werden könne als von Menschen, sieht sich der Mensch, wenn er nicht auf Almosen angewiesen sein will, dem Druck ausgesetzt immer kreativer bzw. einfallsreicher als die Maschinen zu sein. „Creative against the Machine?“ weiterlesen

Unternehmen wollen Gewinne erzielen. – Nein? – Doch! – Oh…

Jüngst wagten zwei Autoren vom Makroskop einen Blick in die Standardliteratur für BWL. Höchst erstaunt mussten sie feststellen, dass die handelsübliche Betriebswirtschaftslehre den Zweck eines Unternehmens darin sieht, dass ein Geldeinkommen erzielt wird. Anders als bei abhängig Beschäftigten nennt sich das erzielte Geldeinkommen im Fall eines Unternehmens Gewinn. Die beiden geben sich zutiefst erschüttert ob dieser schnöden so gar nicht humanistischen Maxime, sehen scheinbar eine Art Frevel darin, dass Wertschöpfung mit Geldeinkommens- bzw. Gewinnmaximierung in der Standardbetriebswirtschaftslehre identisch ist. „Unternehmen wollen Gewinne erzielen. – Nein? – Doch! – Oh…“ weiterlesen